CONCAPE Redaktion

Welche Einkaufsprofile braucht ein EMS bei Chip-Knappheit?

Ein EMS braucht bei Chip-Knappheit, die 2026 vor allem Speicher betrifft, drei getrennte Einkaufsprofile: strategischen Einkauf für Verträge und Zuteilung, Bauteilmanagement für Stücklisten und Alternativen sowie Supply-Chain-Planung für die Priorisierung knapper Teile (Einschätzung der Redaktion). Der Druck zeigt sich in Umfragen: 38,4 % der befragten europäischen EMS-Betriebe bewerten ihre Versorgung als schlecht oder sehr schlecht, Speicher gilt als Brennpunkt (Beitrag im Blog der Global Electronics Association zur Halbjahresumfrage, 16. September 2026; Stichprobengrösse nicht genannt). Wirksam werden die Profile zeitversetzt: Bei einer vertraglichen Kündigungsfrist von sechs Monaten (Beispielwert, nicht gemessen) arbeitet die Einkaufsleitung im Rechenbeispiel erst im Herbst 2027 eigenständig, deshalb startet ihre Suche parallel zu den anderen beiden.

Titelgrafik: Welche Einkaufsprofile braucht ein EMS bei Chip-Knappheit? Weisse Schrift auf dunkelblauem Grund, Rubrik Einkauf & Supply Chain, CONCAPE-Logo

Wie knapp sind Speicherchips für Elektronikfertiger, weltweit und in der Schweiz?

Weltweit ist die Lage angespannt; TrendForce beschreibt im September 2026, dass PC-Hersteller in Erwartung eines auch 2027 knappen DRAM-Angebots weiter aggressiv einkaufen. Für die Schweiz haben wir keine eigene Statistik gefunden; belegt ist nur, dass sie bei Standardspeichern weitgehend Preisnehmerin ist (Swico, April 2026).

SignalWertQuelle und StandGilt für
Umsatz mit SpeicherchipsVon USD 230 Mrd. (2025) auf rund USD 804 Mrd. (2026), +249,5 %; Analog +10,2 %, diskrete Halbleiter +8,0 %WSTS, Spring-Prognose, Juni 2026Welt
Vertragspreise im vierten Quartal gegenüber dem VorquartalKonventionelles DRAM +10 bis 15 %, NAND +15 bis 20 %; PC-Hersteller kaufen in Erwartung eines auch 2027 knappen DRAM-Angebots weiter aggressiv einTrendForce, September 2026Welt (Industrie- und Embedded-Speicher nicht ausgewiesen)
Befragte Hersteller mit eingeschränkter Verfügbarkeit oder längeren Lieferzeiten bei Speicher62 %; 82 % melden steigende Preise; nur 14 % erwarteten im Februar 2026 Besserung in den folgenden sechs MonatenGlobal Electronics Association, Befragung Februar 2026, Mitteilung April 2026 (Stichprobe nicht genannt)Welt
Versorgungslage der befragten europäischen EMS-Betriebe10,9 % gut, 38,4 % schlecht oder sehr schlecht; im Beitrag gilt Speicher als BrennpunktGlobal Electronics Association, Beitrag vom 16. September 2026 zur Halbjahresumfrage (Zeitraum und Stichprobe nicht genannt)Europa (nicht nach Ländern ausgewiesen)
Stellung der SchweizBei Standardspeichern weitgehend Preisnehmerin; in knappen Lagen besteht das Risiko geringerer Priorität für kleine MärkteSwico, Positionspapier, April 2026Schweiz (qualitativ, ohne Zahl)

Zwei Einschränkungen: WSTS meldet Umsätze, nicht Stückzahlen, im Sprung steckt also auch der Preis. Und die Knappheit ist nach einem Beitrag im Blog der Global Electronics Association (16. September 2026) selektiver als die breite Krise von 2021: Neben Speicher würden einzelne Nischen bei reifen Fertigungsprozessen, Automotive, Leistung, Analog, HF und Passiven wieder knapper. Über Komponenten und Materialien insgesamt melden knapp zwei Drittel (64 %) der befragten Hersteller begrenzte Verfügbarkeit oder längere Lieferzeiten; Speicher sowie Laminate und Harze stehen mit je 16 % an der Spitze der Störquellen (Global Sentiment Survey, August 2026; Stichprobengrösse nicht genannt). Wie derselbe Zyklus bei Anlagenherstellern wirkt, steht in Chip-Anlagen wachsen, die Schweizer Auslastung liegt unter dem Mittel: Wer jetzt suchen sollte.

Warum braucht ein EMS bei Speicherknappheit drei Einkaufsprofile statt eines?

Weil bei Knappheit drei Aufgaben zugleich anfallen und verschiedene Fähigkeiten verlangen: Zuteilung und Preis vertraglich sichern, ein knappes Teil durch ein freigegebenes ersetzen und den Plan auf das umstellen, was kommt (Einschätzung der Redaktion). Die Global Electronics Association schreibt im April 2026, herkömmliche Beschaffungsstrategien verlören an Wirkung, weil wenige KI-getriebene Käufer einen wachsenden Anteil des Angebots aufnehmen. Wir übersetzen das in drei Stellen; Aufgabe, Muss und Kann sind Einschätzungen der Redaktion, keine Norm. Fertigungsprofile wie SMT, NPI und Test sind ausgeklammert; zur allgemeinen Suche siehe Einkäufer und Supply Chain Manager finden.

ProfilAufgabe bei KnappheitMussKannDauer bis eigenständig (Beispiel)
Strategischer Einkauf (Einkaufsleitung)Rahmen- und Mengenverträge, Zuteilung (Allokation) bei Herstellern und Distributoren, Preisweitergabe an KundenVerhandeln auf Vertragsebene, Wirtschaftlichkeitsrechnung, Kundenverträge lesenSpot- und Brokerzukäufe mit Echtheitsprüfung, Beschaffung in Asienrund elf Monate
Bauteilmanagement (Component Engineering)Stücklisten auf Verfügbarkeit und Abkündigung (Obsoleszenz) prüfen, Alternativen qualifizieren, Freigabe einholenDatenblatt- und Elektronikverständnis, Stücklistenwerkzeuge, FreigabeprozessEntwicklungs- oder Testhintergrund, Konformitätsdaten (RoHS, REACH)rund acht Monate
Supply-Chain-Planung (Disposition)Kundenprognosen gegen Zusagen rechnen, knappe Teile nach Priorität zuteilen, Verschiebungen früh meldenERP- und MRP-Praxis, Szenariorechnung, klare KommunikationS&OP-Erfahrung, Datenauswertung (SQL, BI)rund fünf Monate

Nach unserer Einschätzung sitzt der Engpass im Bauteilmanagement und nicht in der Verhandlung: Bei kundeneigenen Stücklisten braucht jede Alternative die Freigabe des Kunden und eine technische Prüfung, soweit der Vertrag es so regelt, und ohne Freigabe hilft auch ein guter Preis nichts. Im Gespräch trennt eine Frage die Profile: Fragen Sie nach dem letzten knappen Teil und danach, wer es freigegeben hat.

Wie lange dauert es vom Suchstart, bis eine Besetzung wirkt?

Vom Suchstart bis zur eigenständigen Arbeit dauert es im Rechenbeispiel rund fünf Monate bei der Planung, rund acht beim Bauteilmanagement und rund elf bei der Einkaufsleitung (Suchstart am 26. Oktober 2026). Alle Werte sind Beispielwerte, nicht gemessen; Annahmen: Kündigung am Tag der Unterschrift, die Frist endet nach den genannten Monaten zum Monatsende, Einarbeitung bis zur eigenständigen Arbeit. Die Suchdauern von vier, sechs und acht Wochen sind angenommen, nicht der CONCAPE-Durchschnitt; wer später startet, schiebt alle Daten nach hinten.

ProfilSuche (Wochen)UnterschriftKündigungsfrist (Monate)Erster ArbeitstagEinarbeitung (Monate)Eigenständig ab
Supply-Chain-Planung423. November 202621. Februar 202721. April 2027
Bauteilmanagement67. Dezember 202631. April 202731. Juli 2027
Einkaufsleitung821. Dezember 202661. Juli 202731. Oktober 2027

Gesetzlich beträgt die Frist nach der Probezeit einen Monat im ersten, zwei im zweiten bis neunten und drei Monate ab dem zehnten Dienstjahr, jeweils zum Monatsende; schriftlich lässt sie sich abändern (Art. 335c OR; SECO, abgerufen Oktober 2026). Die Frist macht gut die Hälfte der Dauer bis zur eigenständigen Arbeit der Einkaufsleitung aus (192 von 340 Tagen). TrendForce beschreibt im September 2026 die Erwartung, dass das DRAM-Angebot 2027 knapp bleibt (im Zusammenhang mit PC-Herstellern): Die Planung wäre im Beispiel ab April 2027 wirksam, die Leitung erst im Herbst. Ob die Knappheit bis dahin anhält, ist eine Prognose und keine Gewissheit. In der Frist kann der heutige Arbeitgeber mit einem Gegenangebot antworten. Mehr zur Frist: Kündigungsfrist und Konkurrenzverbot. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung; Auskunft im Einzelfall geben Ihr Arbeitsvertrag und eine Fachperson für Arbeitsrecht. Die Angaben beschreiben Schweizer Recht, in Liechtenstein gilt eigenes Recht.

Für Leitungsstellen führt nach unserer Einschätzung eher die Direktansprache zum Ziel, wie sie Active Sourcing für Ingenieure beschreibt.

Lässt sich das intern aufbauen, oder braucht es eine Besetzung von aussen?

Disposition und Bauteilmanagement lassen sich nach unserer Einschätzung teilweise aus Fertigung, Prüffeld oder Logistik entwickeln, die Einkaufsleitung kaum. Für den internen Weg spricht, dass er Stücklisten, Kunden und Linie schon kennt und die Kündigungsfrist vermeidet; dagegen spricht, dass auch er Einarbeitung braucht und die Person am alten Platz fehlt. Wählen Sie ihn, wenn die Lücke Monate warten kann.

Welche Personalberatung besetzt Fach- und Führungspositionen bei Elektronikfertigern?

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen in anspruchsvoller Technik, unter anderem in der Fokusbranche Halbleiter & Elektronik. Für Elektronikfertiger in der Ostschweiz, in Liechtenstein und im DACH-Raum arbeitet CONCAPE mit Direct Search. Bei CONCAPE liegt die Time-to-Hire im Durchschnitt bei 30 Tagen, gemessen vom Suchstart bis zur Vertragsunterschrift (Stand 10/2026); die Kündigungsfrist der neuen Person kommt dazu. Der Talent-Check zeigt vorab die Bandbreite passender Profile, die Modelle stehen offen unter Preise.

Stand: Oktober 2026.

Quellen: WSTS, Spring 2026 Forecast (2. Juni 2026); TrendForce (30. September 2026); Global Electronics Association: The Memory Squeeze (13. April 2026), Beiträge vom 21. August und 16. September 2026; Swico, Positionspapier Speichermarkt (April 2026); OR Art. 335c (Fedlex), SECO, FAQ Kündigung (abgerufen Oktober 2026); CONCAPE, Stand Oktober 2026; Rechenbeispiele eigene Berechnung.

Häufige Fragen

Kann eine Person Einkauf und Bauteilmanagement zugleich abdecken?

In kleinen Betrieben für eine Übergangszeit ja, auf Dauer selten gut: Vertragsverhandlungen und Freigaben von Alternativen konkurrieren um dieselbe Zeit, und eine der beiden Aufgaben bleibt liegen. Nach unserer Einschätzung lohnt sich die Trennung, sobald mehrere Kundenstücklisten gleichzeitig ein knappes Teil enthalten; bis dahin helfen ein benanntes Zeitbudget für Freigaben und eine Stellvertretung.

Welches der drei Profile besetzen Sie zuerst?

Das, dessen Lücke heute Aufträge kostet: Fehlt der Plan, ist es die Planung; fehlen freigegebene Alternativen, das Bauteilmanagement; fehlen Verträge, die Leitung. Die Leitung braucht im Beispiel bis Oktober 2027, ihre Suche startet daher parallel.

Woran erkennen Sie im Gespräch, wer Zuteilung wirklich verhandelt hat?

Fragen Sie nach Menge, Laufzeit und Gegenleistung beim letzten knappen Teil. Wer Zuteilung verhandelt hat, nennt Mengen und Zusagen; wer nur Preise eingeholt hat, nennt Angebote.

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