CONCAPE Redaktion

Gegenangebot: Warum Kandidaten kurz vor dem Start abspringen – und wie Sie es verhindern

Erfahrungsgemäss nehmen Kandidaten ein Gegenangebot eher an, wenn ihr Wechselgrund im Kern der Lohn war, der neue Arbeitgeber langsam entschieden hat oder während der Kündigungsfrist der Kontakt abgerissen ist. Verhindern lässt es sich am besten früh: den Vertragsentwurf spätestens fünf Arbeitstage nach dem letzten Gespräch vorlegen, Startdatum und Kündigungstermin schon im Angebot festhalten und die Monate bis zum Start aktiv begleiten – nicht mit einem Überbieten in letzter Minute.

Titelgrafik: Gegenangebot – warum Kandidaten kurz vor dem Start abspringen

Warum machen Arbeitgeber in der Technik Gegenangebote?

Weil der aktuelle Arbeitgeber in spezialisierten Fachmärkten genau weiss, wie schwer eine Kündigung zu ersetzen ist, und die Kündigungsfrist ihm Zeit zum Nachlegen gibt. Wer eine Applikationsingenieurin mit zehn Jahren Prozesserfahrung verliert, braucht für den Ersatz erfahrungsgemäss Monate. Ein Gegenangebot ist aus seiner Sicht oft günstiger als eine Neubesetzung.

Die Zeit spielt dabei eine grosse Rolle. In der Schweiz gelten nach Ablauf der Probezeit gesetzlich ein Monat im ersten Dienstjahr, zwei Monate vom zweiten bis zum neunten und drei Monate ab dem zehnten Dienstjahr, jeweils auf Monatsende (Art. 335c Abs. 1 OR). Der Vertrag kann längere Fristen vorsehen (Art. 335c Abs. 2 OR) – massgebend ist sein Wortlaut; für Arbeitgeber und Arbeitnehmer dürfen die Fristen nicht verschieden sein, bei widersprechender Abrede gilt die längere (Art. 335a Abs. 1 OR). In Deutschland gelten gesetzlich vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende (§ 622 Abs. 1 BGB); auch dort kann der Vertrag längere Fristen vorsehen, für den Arbeitnehmer allerdings keine längeren als für den Arbeitgeber (§ 622 Abs. 6 BGB). Je länger die Frist, desto mehr Gelegenheit hat der bisherige Arbeitgeber, nachzulegen. Die Fristen je Wohnsitzland, auch für Österreich, stehen in Grenzgänger einstellen 2026.

Woran erkennen Sie das Risiko eines Gegenangebots früh?

Erfahrungsgemäss an zwei Signalen, nach denen Sie im Zweitgespräch gezielt fragen können:

  • Die Person hat intern noch nie über ihre Unzufriedenheit gesprochen. Dann erfährt der Arbeitgeber erst bei der Kündigung davon – und reagiert.
  • Die Person trägt ein laufendes Projekt, etwa eine Inbetriebnahme, einen Serienanlauf oder eine Zertifizierung. Je grösser die Lücke, desto eher kommt ein Gegenangebot.

Dazu passt eine einfache Frage im Zweitgespräch: «Was müsste Ihr heutiger Arbeitgeber tun, damit Sie bleiben?» Wer darauf sofort eine konkrete Antwort hat, ist nicht fertig mit seinem Arbeitgeber. Nach unserer Erfahrung ist die Person für ein Gegenangebot besonders empfänglich, wenn sie vor allem eine Zahl nennt; wer eine Aufgabe oder ein Projekt nennt, lässt sich mit Geld allein seltener halten.

Was beugt im Auswahlprozess einem Gegenangebot vor?

Nach unserer Erfahrung drei Dinge: eine feste Frist bis zum Vertragsentwurf, Termine schon im Angebot und ein vorbereitetes Kündigungsgespräch:

  • Eine harte Frist – unsere Empfehlung: Vertragsentwurf spätestens fünf Arbeitstage nach dem letzten Gespräch. Jede Woche dazwischen ist eine Woche, in der Zweifel wachsen; wenige, klar strukturierte Runden mit festen Rückmeldefristen helfen.
  • Termine im Angebot: Startdatum und Kündigungstermin gehören schon ins Angebot, nicht erst in den Vertrag. Steht beim bisherigen Arbeitgeber ein Meilenstein an, etwa eine Abnahme oder ein Serienanlauf, sprechen Sie ihn offen an und planen Sie das Startdatum um ihn herum – sonst wird er leicht zum Argument, noch zu bleiben.
  • Das Kündigungsgespräch vorbereiten: Kandidaten, die wissen, was sie in diesem Gespräch erwartet, entscheiden ruhiger. Das gehört bei einer guten Personalberatung dazu – woran Sie sie erkennen, beschreibt Headhunter für Engineering.

Wie lange liegt zwischen Zusage und Start – und was hilft in dieser Zeit?

Bei drei Monaten Frist liegen je nach Kündigungstermin und Fristende drei bis knapp sechs Monate zwischen Zusage und Start, und in dieser Zeit entscheidet sich, ob die Person wirklich kommt: Bei Fristende zum Monatsende sind es drei bis vier Monate, beim Quartalsende drei bis knapp sechs. Ein Rechenbeispiel: Kündigt jemand Mitte Oktober unmittelbar nach der Zusage mit drei Monaten Frist zum Monatsende, endet das Arbeitsverhältnis Ende Januar und der Start ist Anfang Februar (rund dreieinhalb Monate). Gilt die Frist zum Quartalsende, ist es Ende März und der Start Anfang April (rund fünfeinhalb Monate). Die gesetzlichen Fristen im Überblick:

LandGesetzliche Frist bei Kündigung durch die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer nach Ablauf der ProbezeitGrundlage
Schweiz1 Monat im ersten, 2 Monate im zweiten bis neunten, 3 Monate ab dem zehnten Dienstjahr, jeweils auf MonatsendeArt. 335c OR
Deutschland4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats§ 622 BGB

Nach unserer Erfahrung haben sich wenige, echte Kontakte bewährt:

  • ein Anruf der künftigen Führungskraft nach der Kündigung,
  • eine Einladung ins Team, etwa zu einem Mittagessen oder Projektmeeting,
  • frühe Informationen zu Arbeitsplatz, Einarbeitung und ersten Projekten – etwa eine fachliche Runde mit dem Team zur Anlage oder zum Prozess, in den die Person einsteigt,
  • ein fester Ansprechpartner für Fragen zu Vertrag, Bewilligung oder Umzug.

Es geht nicht um Kontrolle, sondern darum, dass die neue Stelle für die Person schon vor dem Start konkret wird. Wie Kandidat:innen diese Phase aus ihrer Sicht planen, zeigt Jobwechsel in der Schweiz: Kündigungsfrist, Konkurrenzverbot und Pensionskasse.

Was tun, wenn das Gegenangebot trotzdem kommt?

Nicht überbieten, sondern ruhig über die ursprünglichen Gründe für den Wechsel sprechen. Überbieten in letzter Minute ist selten eine gute Idee: Es bestätigt, dass es ums Geld geht, und setzt einen Massstab für das ganze Team. Haben sich diese Gründe durch das Gegenangebot wirklich verändert? Wenn ja, ist ein sauberer Abschied für beide Seiten besser als ein Start mit Zweifeln.

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering mit Sitz in Vaduz und Präsenz im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen in anspruchsvoller Technik, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz; die Preise der Modelle sind offen einsehbar.

Quellen: Obligationenrecht Art. 335a und 335c (Fedlex, Stand 1. Oktober 2026); Bürgerliches Gesetzbuch § 622 (gesetze-im-internet.de); Praxis aus Suchen von CONCAPE.

Häufige Fragen

Sollen wir ein Gegenangebot überbieten?

In der Regel nein. Ein Überbieten in letzter Minute macht den Lohn zum einzigen Argument und verschiebt das Problem nur. Wirksamer ist es, die ursprünglichen Wechselgründe zu besprechen und das Angebot dort zu schärfen, wo es um Rolle, Team oder Arbeitsmodell geht.

Wie oft sollten wir während der Kündigungsfrist Kontakt halten?

Lieber wenige, echte Kontakte als ein Newsletter: ein Anruf nach der Kündigung, eine Einladung ins Team und konkrete Informationen zu den ersten Wochen. Bei langen Fristen hilft ein kurzer Austausch etwa einmal im Monat.

Wie erkennen wir im Interview, ob jemand ein Gegenangebot annehmen würde?

Fragen Sie direkt, was der heutige Arbeitgeber tun müsste, damit die Person bleibt – und ob sie ihre Unzufriedenheit dort schon angesprochen hat. Unklare oder sehr konkrete Antworten sind beide ein Signal, genauer hinzuschauen.

Wie lange dauert es von der Zusage bis zum Start?

Das hängt von Frist und Termin ab. Im Rechenbeispiel (Kündigung Mitte Oktober unmittelbar nach der Zusage, drei Monate Frist) sind es bei Fristende zum Monatsende rund dreieinhalb Monate, bei Fristende zum Quartal rund fünfeinhalb. Länger kann es werden, wenn der Vertrag eine längere Frist vorsieht.

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