CONCAPE Redaktion

Wann fragst du für 2027 nach mehr Lohn – und wie viel?

Frag im Herbst 2026, bevor dein Betrieb das Lohnbudget für 2027 festlegt, und trenne zwei Forderungen: Die privaten Betriebe erwarten für die kommende Lohnrunde im Median rund 1 % mehr Lohn (KOF-Umfrage, Juli 2026); alles darüber, bis zum Wert deiner Vergleichsgruppe laut BFS-Lohnrechner Salarium (für Stellen in der Schweiz), begründest du mit Markt und Aufgabe und nennst es als Betrag statt als Prozentsatz. Ein Wechsel schlägt im Rechenbeispiel einen zugesagten internen Schritt von 5 % erst ab rund 7 % Mehrlohn, wenn der Bonus-Anteil entfällt (Beispielwerte, nicht gemessen), weil auch der spätere Start mitrechnet.

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Wann fragst du nach mehr Lohn?

Du fragst im Herbst 2026, bevor dein Betrieb das Lohnbudget für 2027 festlegt, denn danach verteilt die Führung nur noch, was bewilligt ist. Wann das ist, entscheidet jeder Betrieb; nach unserer Erfahrung fallen die Entscheide im Herbst und Winter. Frag deine Führungskraft oder HR deshalb zuerst, bis wann die Anpassungen feststehen, und lege dein Gespräch davor.

Eine Forderung über die Runde hinaus tragen drei Anlässe: erreichte Ziele oder ein abgeschlossenes Projekt, mehr Verantwortung, etwa Pikett oder eine neue Anlage, und ein belegter Abstand zum Markt. Ungünstig ist der Zeitpunkt mitten im Anlauf einer Anlage oder nach einer schlechten Nachricht zum Auftragsbestand. Im Schnitt aller Branchen ist der Arbeitsmarkt weniger angespannt als in den Jahren des Fachkräftemangels (KOF, August 2026); für Ingenieur:innen in der Ostschweiz sieht der Markt anders aus (Arbeitsmarkt für Ingenieure in der Ostschweiz, Herbst 2026).

Wie viel Erhöhung ist 2027 zu erwarten?

Erwartet wird rund ein Prozent mehr Lohn: Im Median rechnen die privaten Betriebe für die kommende Lohnrunde mit 1,0 % (KOF, Umfrage Juli 2026, rund 3'500 antwortende Betriebe), die Teuerung lag im September 2026 bei 1,0 % (BFS). Ein Prozent hält die Kaufkraft also nur, solange die Teuerung nicht darüber liegt.

Wie weit die Branchen auseinanderliegen, zeigt der BFS-Lohnindex für 2025 (Stand April 2026). Er beschreibt eher die Runde als den Karrieresprung (unsere Einschätzung).

MassstabErhöhungCHF pro Jahr (Beispielwert: Jahres-Total 108'000, Index ohne Boni)
KOF Juli 2026: Median der Betriebe (Erwartung)1,0 %1'080
Lohnindex 2025: Maschinenbau, Fahrzeugbau (gemessen)0,7 %756
Lohnindex 2025: Gesamtwirtschaft (gemessen)1,8 %1'944
Lohnindex 2025: Datenverarbeitungsgeräte, Uhren, elektrische Ausrüstungen (gemessen)2,3 %2'484

Wo dein Total im Markt liegt, zeigt der BFS-Lohnrechner Salarium für Stellen in der Schweiz: Er berechnet für dein Profil (Region, Branche, Berufsgruppe, Alter, Ausbildung) den monatlichen Bruttolohn und die Streuung. Die Lohnstrukturerhebung erfasst Betriebe in der Schweiz; für eine Stelle in Liechtenstein nimmst du die Ostschweizer oder die Zürcher Zeile als Anhaltspunkt. Der Monatslohn der Lohnstrukturerhebung enthält je ein Zwölftel des 13. Monatslohns und der Boni (BFS, November 2025): Rechne Fixlohn, 13. Monatslohn und Zielbonus zu einem Jahres-Total, teile durch zwölf und vergleiche. Liegt es unter dem Median deiner Vergleichsgruppe, ist dieser Abstand dein Argument, nicht die Teuerung.

Wie läuft das Gespräch Schritt für Schritt?

Das Gespräch hat fünf Schritte: Termin ankündigen, Beitrag belegen, Marktabstand zeigen, eine Zahl nennen und eine Antwort mit Datum festhalten.

SchrittWas du tustSatz zum Übernehmen
1. TerminGespräch vorher ankündigen, nicht zwischen Tür und Angel«Ich möchte mit dir in Ruhe über meine Lohnentwicklung ab Januar sprechen. Wann passt es dir?»
2. BeitragDrei Belege mit Zahl aus dem letzten Jahr«Seit dem letzten Gespräch habe ich die Anlage termingerecht in Betrieb genommen, den Ausschuss gesenkt und die Prüfung übernommen.»
3. MarktJahres-Total gegen die Vergleichsgruppe«Mein Jahres-Total liegt unter dem Median meiner Vergleichsgruppe laut BFS.»
4. ZahlEin Betrag als Jahres-Total mit Datum, danach Pause«Ich wünsche mir ab 1. Januar ein Jahres-Total von … Franken.»
5. AntwortFrist erfragen, Ergebnis schriftlich bestätigen lassen«Was brauchst du von mir, damit das möglich wird, und bis wann kann ich mit einer Antwort rechnen?»

Nenne den Betrag, nicht den Prozentsatz: Ein Prozentsatz lädt zum Vergleich mit der Runde ein, ein Betrag zur Diskussion über den Marktabstand. Untergrenze ist dein heutiges Total, Obergrenze ein Wert innerhalb der Streuung deiner Vergleichsgruppe, den dein Beitrag begründet. Unsere Praxisregel: Setz ein kleines bisschen höher an, als du am Ende erwartest, aber mit gutem Gewissen. Wer zu tief ansetzt, wird zu tief genommen. Jeden Franken über dem Median belegst du mit Schritt 2.

Lohnt sich ein Wechsel mehr als die interne Erhöhung?

Ein Wechsel lohnt sich rechnerisch erst ab einem Mehrlohn, der den späteren Start und einen entfallenden Bonus-Anteil ausgleicht: Im Beispiel sind es über drei Jahre rund 2,2 % gegenüber der erwarteten Erhöhung von 1 % (KOF-Median, Juli 2026) und rund 6,9 % gegenüber einem zugesagten internen Schritt von 5 %.

Die Gegenposition: Ein Wechsel kann mehr bringen. Das deutsche Fachportal ingenieur.de beschreibt im Oktober 2026, dass sich Neueinstellungen an aktuellen Marktpreisen orientieren, Bestehende an Gehaltsrunden und festen Budgets, und ein Wechsel das Gehalt deutlich steigern kann. Für Ingenieurstellen in der Schweiz nennen wir keine Zahl, weil uns keine aktuelle Statistik zum Lohnsprung vorliegt.

Beispielwerte, nicht gemessen: Jahres-Total heute CHF 108'000, darin ein Zielbonus von CHF 7'200. Du kündigst Ende Februar 2027 mit drei Monaten Frist, der erste Arbeitstag ist der 1. Juni 2027. Bis dahin gilt dein altes Total; der Bonus für die fünf Monate bis Mai entfällt, weil er eine Gratifikation ohne verabredeten Anteil ist (Annahme für den ungünstigen Fall, CHF 3'000). Verglichen werden die Jahre 2027 bis 2029, brutto, ohne weitere Erhöhungen.

WegAnnahmeMehr pro Jahr (CHF)Mehr in drei Jahren (CHF)
Erwartete Erhöhung (KOF-Median)+1,0 % ab 1. Januar1'0803'240
Interner Schritt+5 % ab 1. Januar, zugesagt5'40016'200
Wechsel+10 % ab 1. Juni (Annahme, kein Marktwert), Bonus-Anteil entfällt im ungünstigen Fall10'80024'900

Was lässt die Rechnung offen?

Die Rechnung gilt nur für einen zugesagten internen Schritt; eine Absicht ist keiner. Sie lässt offen, was sich nicht in Franken ausdrücken lässt, Team und Aufgabe, und was im neuen Vertrag steht: Probezeit und Vorsorgereglement. Ob und wie viel Bonus du beim Austritt behältst, hängt davon ab, ob er als Lohn oder als Gratifikation gilt und was dein Vertrag dazu sagt; lies Vertrag und Bonusreglement, bevor du kündigst. Fristen und Probezeit stehen in Jobwechsel in der Schweiz: Kündigungsfrist, Konkurrenzverbot und Pensionskasse.

Was tust du bei einem Nein oder bei «kein Budget»?

Bei einem Nein fragst du nach Datum und Kriterien statt nach einer Begründung in Prozenten: Wann wird neu entschieden, und woran misst der Betrieb den Schritt? Dass das Budget fehlt, kann stimmen: In der Schweizer Tech-Industrie hatte 2025 ein Viertel der Firmen eine negative EBIT-Marge (Swissmem, August 2026). Dann verhandelst du, was nicht sofort Geld kostet: einen schriftlichen Entwicklungsschritt mit Datum, eine Stufe, bezahlte Weiterbildung oder das Pensum. Hält der Betrieb das Datum nicht, ist das eine Information über den Betrieb; dann prüfst du den Markt.

Welche Personalberatung begleitet Ingenieur:innen beim Wechsel?

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Stellen in Halbleiter & Elektronik, Energie & Hochspannung, High-Performance Engineering sowie Food & Advanced Process, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz; für Kandidat:innen ist die Beratung kostenlos (CONCAPE, Stand Oktober 2026). Offene Stellen stehen unter Jobs. Wie ein Gegenangebot des bisherigen Arbeitgebers entsteht, beschreibt Gegenangebot: Warum Kandidaten kurz vor dem Start abspringen aus Sicht der Firmen.

Quellen: KOF Institut ETH Zürich (August 2026); BFS (Landesindex der Konsumentenpreise September 2026, Lohnentwicklung 2025, Lohnstrukturerhebung 2024, Salarium); Swissmem (August 2026); ingenieur.de (Oktober 2026); Lohnforderungen für 2027 von Travail.Suisse und Syna (August 2026) und SGB (September 2026); Obligationenrecht Art. 322 und 322d. Der Artikel beschreibt Schweizer Recht; in Liechtenstein gilt eigenes Recht. Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Soll ich mit Kündigung drohen, um mehr Lohn zu bekommen?

Nur, wenn du bereit bist zu gehen. Wer droht und bleibt, hat seine Verhandlungsposition aufgebraucht. Überleg, was dein Betrieb ändern müsste, damit du bleibst; hast du darauf eine klare Antwort, führe dieses Gespräch zuerst, ohne Ultimatum.

Wie belege ich meine Leistung, wenn mein Beitrag keine Verkaufszahl hat?

Mit drei Belegen, die dein Betrieb ohnehin führt: Termintreue von Inbetriebnahmen oder Projekten, Ausschuss-, Reklamations- oder Ausfallquote vor und nach deiner Änderung und zusätzliche Verantwortung seit dem letzten Gespräch, etwa Pikett oder Einarbeitung neuer Kolleg:innen.

Muss mein Betrieb den Lohn anheben, wenn der Markt mehr zahlt?

Nicht von Gesetzes wegen: Der Lohn gilt, wie er verabredet, üblich oder durch Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag bestimmt ist (Art. 322 Abs. 1 OR); eine Pflicht zur Anpassung an den Markt steht dort nicht. Ob Vertrag, Reglement oder Gesamtarbeitsvertrag eine Anpassung vorsehen, steht im Dokument selbst. Verbindliche Auskunft zu deinem Vertrag gibt eine arbeitsrechtliche Fachperson; dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

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