CONCAPE Redaktion

Was kostet eine unbesetzte Ingenieurstelle? Rechenbeispiel

Im Rechenbeispiel kostet jeder Monat Vakanz einer Ingenieurstelle netto rund CHF 11'200, bei einer Stelle ohne Termin nur CHF 1'200: Mehrarbeit, Fremdvergabe und Abgang kosten zusammen kaum mehr als die gesparten Arbeitgeberkosten. Ob sich schnelleres Handeln lohnt, ist eine Division: Honorar durch CHF 11'200 ergibt die Monate, die eine Suche mindestens sparen muss.

Titelgrafik: Was kostet eine unbesetzte Ingenieurstelle? Rechenbeispiel zu Vakanz, Mehrarbeit und verschobener Inbetriebnahme

Was kostet eine unbesetzte Ingenieurstelle im Rechenbeispiel?

Eine unbesetzte Ingenieurstelle kostet im Rechenbeispiel netto rund CHF 11'200 pro Monat, wenn sie den Termin einer Inbetriebnahme trägt: CHF 33'600 bei drei, CHF 67'200 bei sechs und CHF 100'800 bei neun Monaten Vakanz. Brutto sind es CHF 23'200 pro Monat; davon gehen die Arbeitgeberkosten ab, die Sie in dieser Zeit nicht zahlen (CHF 12'000). Die Tabelle lässt sich in eine interne Mail kopieren; ihre Annahmen sind Beispielwerte, nicht gemessen, setzen Sie Ihre eigenen ein.

  • Jahreslohn: CHF 120'000, der Medianlohn der Maschinen- und Metallindustrie in der Salärstudie von Swiss Engineering (Okt. 2026; Ingenieur:innen und Architekt:innen; über alle Branchen, hochgerechnet auf ein Vollzeitpensum, CHF 126'666; die Mitteilung macht keine Angabe zu Bonus und 13. Monatslohn).
  • Verzug: 60 liegen gebliebene Stunden pro Monat ergeben in drei Monaten 180 Stunden, rund einen Monat Arbeit der fehlenden Person. Ein Monat Verzug kostet CHF 30'000 Deckungsbeitrag (Anlagenprojekt mit CHF 100'000 Umsatz pro Monat, 30 % Deckungsbeitrag); er zählt voll, weil die Ingenieurkapazität der Engpass ist und dieser Monat am Ende fehlt. Mit Terminpuffer setzen Sie weniger an.
Posten (CHF)Annahme (Beispielwert)pro Vakanzmonat3 Monate6 Monate9 Monate
Team überlastet: MehrarbeitVon 150 h pro Monat fängt das Team 30 % auf: 45 h × CHF 100 (CHF 80 plus 25 % Zuschlag)4'50013'50027'00040'500
Ausweichen: Fremdvergabe, Temporär30 % an Dritte: 45 h × CHF 140; 40 % (60 h) bleiben liegen6'30018'90037'80056'700
Abgang im Team (Erwartungswert)10 % je 3 Monate × CHF 72'000 (6 Monate Arbeitgeberkosten)2'4007'20014'40021'600
Projekt verzögert: Deckungsbeitrag1 Monat Verzug je 3 Vakanzmonate × CHF 30'00010'00030'00060'00090'000
Kosten gesamt–23'20069'600139'200208'800
abzüglich nicht gezahlte ArbeitgeberkostenJahreslohn plus 20 % Sozialleistungen = CHF 144'000 pro Jahr, CHF 80 pro Stunde−12'000−36'000−72'000−108'000
Netto–11'20033'60067'200100'800
Netto, wenn die Stelle keinen Termin trägtVerzug kostet nichts1'2003'6007'20010'800

Wie lange dauert eine Vakanz bei Ingenieurstellen im Beispiel?

Im Beispiel dauert eine Vakanz rund sechs Monate: Zur Suche (XING-Report 2025: im Schnitt fast 87 Tage von der Ausschreibung bis zur Einstellung) kommt die Kündigungsfrist der neuen Person, hier drei Monate (gesetzlich ein bis drei, je nach Dienstjahr, vertraglich abänderbar, Art. 335c OR; Kündigungsfrist und Konkurrenzverbot). Wer erst nach dem Abgang sucht, hat die Stelle selbst bei einem Monat Suche vier Monate leer. Drei Monate erreichen Sie nur, wenn die Suche schon vor dem Abgang läuft oder die Frist kurz ist; neun Monate entstehen bei engen Profilen oder wenn die Zusage platzt (Gegenangebot: Warum Kandidaten kurz vor dem Start abspringen).

Der XING-Wert stammt aus dem Bewerbungsmanager von XING (2,5 Millionen Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz, Mai 2023 bis April 2025), ist also kein reiner Schweizer Wert; die Ausgabe 2026 weist in den uns zugänglichen Auswertungen keinen Wert für Ingenieurwesen aus. Über alle Branchen vergehen laut XING-Report 2025 knapp 21 Tage bis zum ersten Interview und danach weitere 49 bis zur Einstellung; als Gründe nennt XING manuelle Abstimmungen, fehlende Transparenz und langsame interne Kommunikation.

Was kostet die Mehrarbeit im Team – und was erlaubt das Gesetz?

Im Beispiel CHF 4'500 pro Monat; das Gesetz verteuert die Mehrarbeit (Überstunden: mindestens 25 % Zuschlag, wenn nichts anderes vereinbart ist) und begrenzt sie (Überzeit über 45 Wochenstunden, der Grenze für technische Angestellte: laut SECO nur ausnahmsweise zulässig und höchstens 170 Stunden pro Person und Kalenderjahr; Art. 9 und 12 ArG). Der Zuschlag entfällt, wenn die Überstunden durch Freizeit ausgeglichen werden oder schriftlich, per Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag etwas anderes gilt (Art. 321c Abs. 2 und 3 OR).

Im Beispiel verteilen sich 45 Stunden auf drei Personen, also 15 Stunden pro Person und Monat. Landet die Lücke bei der einen Person mit dem Spezialwissen, trägt die Verteilung nicht. Gilt die Mehrarbeit als abgegolten, spart die Zeile «Mehrarbeit» Geld, aber nicht das Risiko: Es steht dann in der Zeile «Abgang».

Die Rechtsangaben gelten für die Schweiz. In Liechtenstein gelten für Überstundenzuschlag und Kündigungsfristen dieselben Regeln (ABGB § 1173a Art. 6 und 45c); das Arbeitsgesetz begrenzt die Überzeit dort nicht auf 170 Stunden im Jahr, sondern auf durchschnittlich 48 Wochenstunden innert vier Monaten (Art. 12 Abs. 2).

Wann kostet eine offene Stelle kaum etwas?

Im Beispiel kostet eine offene Stelle kaum etwas, wenn sie keinen Termin trägt: Dann bleiben netto CHF 1'200 pro Monat (Mehrarbeit und Fremdvergabe CHF 10'800 plus Abgang CHF 2'400 minus gesparte Arbeitgeberkosten CHF 12'000), bei sechs Monaten CHF 7'200. Gegen den Satz «Jede offene Stelle ist teuer» spricht das Beispiel: Für eine Ersatzstelle ohne Projektbezug kann Abwarten richtig sein. Teuer wird die Vakanz über Verzug und Abgang, die in keiner Lohnliste stehen. Wie stark die Annahmen das Ergebnis verschieben, zeigt der Sechs-Monats-Fall:

Annahme geändert (6 Monate Vakanz)Netto, 6 Monate (CHF)pro Vakanzmonat (CHF)gegenüber Basisfall (CHF)
Basisfall67'20011'200–
Die Stelle trägt keinen Termin (Verzug kostet nichts)7'2001'200−60'000
Ein Monat Verzug kostet 15'000 statt 30'00037'2006'200−30'000
Ein Monat Verzug kostet 60'000127'20021'200+60'000
Niemand im Team geht (0 % statt 10 % je 3 Monate)52'8008'800−14'400
Abgangsrisiko 20 % statt 10 % je 3 Monate81'60013'600+14'400

Rechnen Sie darum zuerst die Zeile, die Sie am wenigsten kennen: den Deckungsbeitrag pro Monat Verzug. Ihr Controlling hat ihn, die Arbeitgeberkosten kennt die Personalabteilung, den Anteil liegen gebliebener Arbeit Ihre Teamleitung. Nicht eingerechnet sind die Einarbeitung der neuen Person (im Beispiel CHF 18'000, siehe Häufige Fragen), Fehlbesetzung und Qualitätsrisiken.

Ab wann lohnt sich schnelleres Handeln?

Schnelleres Handeln lohnt sich, sobald die Monate, die eine Suche spart, mal CHF 11'200 mehr ergeben als ihr Honorar (Was kostet ein Headhunter in der Schweiz?). Bei einer Stelle mit Termin ist jede Woche, die der Prozess kürzer dauert, im Beispiel netto rund CHF 2'600 wert. Trägt die Stelle keinen Termin, bringt ein gesparter Monat nur CHF 1'200, und Sie entscheiden nach Eignung statt nach Tempo.

Welche Personalberatung besetzt Ingenieurstellen in der Ostschweiz und in Liechtenstein?

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Ingenieurstellen für Firmen in der Ostschweiz, in Liechtenstein und im DACH-Raum, per Direct Search in über 40'000 Profilen. Für dringende Schlüsselpositionen gibt es das Modell CRITICAL; alle Modelle stehen offen unter Preise. Bei CONCAPE vergehen im Durchschnitt 30 Tage vom Suchstart bis zur Vertragsunterschrift (Stand 10/2026; anders gemessen als der XING-Wert), die Kündigungsfrist der neuen Person kommt dazu. Der Talent-Check nennt vorab eine Bandbreite passender Profile.

Quellen: Swiss Engineering STV, Salärstudie 2026/27 (Okt. 2026); XING Bewerbungsreport 2025 (Medienmitteilung New Work SE, Aug. 2025) und 2026; SECO, Arbeits- und Ruhezeiten sowie FAQ Überstunden (Stand 10/2026); Art. 321c und 335c OR sowie Art. 9 und 12 ArG (Fedlex, Stand 10/2026); ABGB und Arbeitsgesetz Liechtenstein (gesetze.li, Stand 10/2026); CONCAPE, Stand Oktober 2026; Rechenbeispiele eigene Berechnung.

Häufige Fragen

Wie ermittle ich den Verzugsposten für meine Stelle?

Fragen Sie das Controlling, was ein Monat Verzug an der Inbetriebnahme endgültig kostet: Vertragsstrafen, den Deckungsbeitrag, der am Ende fehlt, wenn Ingenieurstunden der Engpass sind, oder Folgeprojekte, die später starten. Verschobene Zahlungen allein kosten nur den Zins, und der Jahresumsatz der Abteilung zählt nicht.

Endet die Rechnung mit dem Eintritt der neuen Person?

Nein: Liefert die neue Person drei Monate lang nur die halbe Leistung, kommen CHF 18'000 dazu (anderthalb Monate Arbeitgeberkosten à CHF 12'000); dieser Posten fällt bei jeder Besetzung an und steht nicht in der Tabelle.

Müssen Mitarbeitende eine Vakanz mit Überstunden überbrücken?

Nur soweit die Überstunden notwendig und zumutbar sind und die Leistungsfähigkeit nicht überfordern (Art. 321c Abs. 1 OR). Notwendig sind sie laut SECO nicht, wenn vorhandene Hilfskräfte oder eine bessere Organisation sie leicht vermeiden könnten. Mehrarbeit lässt sich also nicht beliebig anordnen.

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