Netzausbau Schweiz: Wo Fachleute für Hochspannung, Schutz- und Leittechnik fehlen
Swissgrid plant bis 2040 rund 5,5 Milliarden Franken für 31 Netzprojekte und hat 2025 bereits 356,6 Millionen Franken investiert (Swissgrid, April 2026). Fachleute dafür sind knapp: Ingenieurtechnische Fachkräfte liegen im Fachkräftemangel-Index 2025 auf Rang 3, Elektriker:innen und Elektroniker:innen auf Rang 4 (Adecco/Universität Zürich, November 2025). Erfahrungsgemäss am knappsten sind Fachleute für Schutz- und Leittechnik, Primärtechnik in Unterwerken, Hochspannungskabel, Prüffeld und Inbetriebnahme sowie die Projektleitung Netzbau; wer sie sucht, konkurriert mit Verteilnetzbetreibern, Herstellern und Ingenieurbüros um dieselben Fachleute.

Wie viel wird im Netz investiert – und wie knapp sind Fachleute?
Swissgrid plant bis 2040 Investitionen von rund 5,5 Milliarden Franken in 31 Netzprojekte (Swissgrid, April 2026), und ingenieurtechnische Fachkräfte liegen im Fachkräftemangel-Index 2025 auf Rang 3 (Adecco/Universität Zürich, November 2025). Dahinter steht ein Netz im Umbau: Auf 400 Kilometern verstärkt Swissgrid bestehende Leitungen, 790 Kilometer werden neu erstellt, 790 Kilometer rückgebaut (Swissgrid, April 2026).
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Investitionen Swissgrid bis 2040 | rund 5,5 Mrd. CHF in 31 Netzprojekte | Swissgrid «Netz 2040», bestätigt im Jahresabschluss (April 2026) |
| Investitionen Swissgrid 2025 | 356,6 Mio. CHF, davon 281,2 Mio. in den Netzausbau | Swissgrid, Geschäftsjahr 2025 (April 2026) |
| Investitionen Austrian Power Grid in den nächsten zehn Jahren | rund 9 Mrd. Euro (Netzentwicklungsplan bis 2035) | APG (April 2026) |
| Rang der ingenieurtechnischen und vergleichbaren Fachkräfte im Fachkräftemangel-Index | Rang 3 (2025, ein Rang höher als 2024) | Adecco / Universität Zürich (November 2025) |
| Elektriker:innen und Elektroniker:innen | Rang 4 | Adecco / Universität Zürich (November 2025) |
| Berufsgruppen mit klarem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage | 4 von 32 | Adecco / Universität Zürich (November 2025) |
Der Fachkräftemangel-Index lag 2025 rund 22 % unter dem Vorjahr (Adecco/Universität Zürich, November 2025). Die Gruppen sind breiter gefasst als die Netztechnik, zeigen aber die Richtung: Auch bei sinkendem Gesamtindex liegen die technischen Profile 2025 auf Rang 3 und 4 und damit unter den vier knappsten Gruppen.
Welche Profile sind im Netzausbau am knappsten?
Erfahrungsgemäss am knappsten sind fünf Profile: Schutz- und Leittechnik, Primärtechnik in Unterwerken, Hochspannungskabel, Prüffeld und Inbetriebnahme sowie die Projektleitung Netzbau.
- Schutz- und Leittechnik (Sekundärtechnik): Parametrierung und Prüfung von Schutzgeräten, Stationsleittechnik, Kommunikation nach IEC 61850. Nach unserer Erfahrung einer der engsten Märkte, weil Erfahrung fast nur in Projekten entsteht.
- Primärtechnik Unterwerke: Schaltanlagen (luft- und gasisoliert), Transformatoren, Erdung – von der Planung bis zur Bauleitung.
- Hochspannungskabel: Trassenplanung, Garnituren und Muffen, Prüfung. Mit zunehmender Verkabelung gefragter.
- Prüffeld und Inbetriebnahme: Leute, die Anlagen unter Spannung setzen dürfen und es auch können.
- Projektleitung Netzbau: mit Erfahrung in Plangenehmigungsverfahren, Bewilligungen und Abschaltplanung.
Wer konkurriert mit Ihnen um dieselben Fachleute?
Um dieselben Leute konkurrieren Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber, Hersteller von Schaltanlagen und Schutzgeräten, Ingenieurbüros sowie Bahnstrom und Industrie mit eigenen Netzen. Erfahrungsgemäss ist der Pool klein und wechselt innerhalb weniger Arbeitgebertypen. Dazu kommt die Konkurrenz über die Grenze: Der österreichische Übertragungsnetzbetreiber APG will in den nächsten zehn Jahren rund 9 Milliarden Euro in sein Netz investieren (April 2026) – Fachleute aus Vorarlberg und dem übrigen Österreich dürften damit auch im eigenen Land Optionen haben. Wer eine Stelle in der Schutztechnik ausschreibt, erreicht nach unserer Erfahrung vor allem jene, die ohnehin wechseln wollen. Die erfahrenen Leute sind in laufenden Projekten gebunden – und dort schwer abzuwerben, wenn das Angebot nur «spannende Projekte» verspricht. Wie die gezielte Direktansprache bei Ingenieuren funktioniert, beschreibt Active Sourcing für Ingenieure.
Was bewegt erfahrene Netzfachleute zum Wechsel?
Erfahrungsgemäss sind es vier Dinge: ein konkretes Projekt mit Spannungsebene und Technologie, weniger Reisen, ein Entwicklungspfad und ein ehrlich beschriebenes Arbeitsmodell:
- Das Projekt: Spannungsebene, Technologie (z. B. digitale Unterwerke), Rolle im Projekt – konkret statt allgemein.
- Weniger Reisen: Viele Fachleute aus der Herstellerindustrie sind oft auf Baustellen im Ausland. Ein Netzbetreiber mit Projekten in der Region ist für sie ein echtes Argument.
- Entwicklung: vom Prüfingenieur zur Projektleitung, von der Ausführung in die Planung.
- Arbeitsmodell: Planung und Engineering erlauben Homeoffice-Tage, die Baustelle nicht – beides ehrlich trennen.
Können Grenzgänger den Engpass entschärfen?
Zum Teil ja: Aus Deutschland und Österreich kommen Fachleute mit VDE- oder OVE-Hintergrund, die die Technik beherrschen; die Schweizer Vorschriften lernen sie erfahrungsgemäss schnell. Planen Sie die Einarbeitung in die hiesigen Normen und Verfahren ein – und klären Sie Homeoffice-Anteil, Kündigungsfrist und Nettolohn vor dem Angebot (siehe Grenzgänger einstellen 2026).
Wie besetzen Sie Stellen in der Schutztechnik schneller?
In unseren Suchen hilft ein schärferes Stellenprofil mit wenigen Muss-Kriterien, die frühe Einbindung der Fachabteilung und Direktansprache statt Inserat:
- Primär- und Sekundärtechnik in der Stellenbeschreibung sauber trennen – die Pools überschneiden sich kaum.
- Muss-Kriterien auf zwei, drei reduzieren; Normen und Prozesse lassen sich lernen, Projekterfahrung nicht.
- Die Fachperson aus dem Team früh ins Gespräch holen – Ingenieure wechseln zu Ingenieuren.
- Direktansprache statt Inserat für alle Rollen mit mehr als fünf Jahren Projekterfahrung.
CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering mit Sitz in Vaduz und Präsenz im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen unter anderem in Energie & Hochspannung, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz; die Preise der Modelle sind offen einsehbar.
Quellen: Swissgrid, Medienmitteilung zum Geschäftsjahr 2025 (April 2026) und swissinfo (April 2026); Austrian Power Grid, Netzentwicklungsplan (April 2026); Adecco Group / Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich, Fachkräftemangel Index Schweiz 2025 (November 2025).
Häufige Fragen
Warum ist Schutz- und Leittechnik so schwer zu besetzen?
Weil das Wissen nach unserer Erfahrung fast nur in Projekten entsteht und wenige Arbeitgeber es ausbilden. Erfahrene Leute sind in laufenden Projekten gebunden und wechseln erfahrungsgemäss selten über ein Inserat, sondern über persönliche Ansprache.
Können Fachleute aus Deutschland oder Österreich direkt in Schweizer Projekten arbeiten?
Technisch meist ja; die Einarbeitung in Schweizer Vorschriften und Verfahren gehört aber in die Planung. Klären Sie zusätzlich Homeoffice-Anteil, Kündigungsfrist und Nettolohn im Wohnsitzland vor dem Angebot.
Lohnt sich ein Mandat für eine einzelne Stelle in der Schutztechnik?
Bei einer Rolle mit langer Projekterfahrung oft ja: Erfahrungsgemäss ist der Pool so klein, dass eine systematische Marktabdeckung mehr bringt als die ersten verfügbaren Lebensläufe. Für klar beschriebene Rollen mit kürzerer Erfahrung reicht häufig ein Erfolgshonorar – die Modelle im Vergleich stehen in Was kostet ein Headhunter in der Schweiz?
Sie suchen Spezialisten für High-Tech, Engineering oder Einkauf & Supply Chain? CONCAPE ist im Rheintal zu Hause und spricht passive Kandidaten in der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Deutschland direkt an.
Kontakt aufnehmen