Aerospace und Defence: Was der Rüstungsboom für das Ingenieur-Recruiting in der Schweiz bedeutet
Gemessen an Exporten und Beschäftigung haben Aerospace und Defence 2025 deutlich zugelegt: Die Schweizer Kriegsmaterialexporte stiegen laut Bundesrat (März 2026) um knapp 43 % auf CHF 948,2 Mio., und die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie beschäftigt laut BDLI (Mai 2026) rund 10'000 Personen mehr als im Vorjahr. Für Schweizer Firmen dürfte das mehr Aufträge bedeuten – und mehr Konkurrenz um Systemingenieure, Embedded-Entwickler und Qualitätsfachleute, oft mit Anforderungen wie Personensicherheitsprüfung oder Exportkontrolle, die den Kandidatenkreis zusätzlich verkleinern.

Wie stark ist der Markt für Aerospace und Defence zuletzt gewachsen?
Die Schweizer Kriegsmaterialexporte stiegen 2025 laut Bundesrat (März 2026) um knapp 43 % auf CHF 948,2 Mio., und die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie steigerte ihren Umsatz laut BDLI (Mai 2026) um 19 % auf 62 Mrd. Euro.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Schweizer Kriegsmaterialexporte 2025 | CHF 948,2 Mio. in 64 Länder (knapp +43 %) | Bundesrat, März 2026 |
| Wichtigstes Abnehmerland | Deutschland, CHF 386,4 Mio. (gut 40 % der Exporte) | Bundesrat, März 2026; eigene Berechnung |
| Umsatz deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie 2025 | 62 Mrd. Euro (+19 %) | BDLI, Mai 2026 |
| Beschäftigte deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie | rund 130'000 (+10'000) | BDLI, Mai 2026 |
| Volksabstimmung Kriegsmaterialgesetz | 29. November 2026 | SECO, Oktober 2026 |
Beide Zahlen sind Indikatoren, nicht die ganze Branche: Die Kriegsmaterialexporte erfassen Ausfuhren auf Basis von SECO-Bewilligungen, die BDLI-Zahlen die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie. Deutschland ist damit Abnehmer und Konkurrent zugleich: Gut 40 % der Schweizer Exporte gingen 2025 dorthin (CHF 386,4 von 948,2 Mio.), und die deutsche Branche beschäftigt rund 10'000 Personen mehr als im Vorjahr – nach unserer Einschätzung ein zusätzlicher Wettbewerber um Ingenieure im süddeutschen Raum.
Was ändert sich mit der Abstimmung am 29. November?
Die Revision des Kriegsmaterialgesetzes würde Lieferungen an Partnerstaaten auch dann erlauben, wenn diese in einen bewaffneten Konflikt verwickelt sind, sofern dies mit der Neutralität und den aussen- oder sicherheitspolitischen Interessen der Schweiz vereinbar ist. Die Nichtwiederausfuhr-Erklärung würde nicht mehr systematisch verlangt, ausser wenn aussen-, neutralitäts- oder sicherheitspolitische Gründe dies erfordern. Das Parlament hat die Änderung am 19. Dezember 2025 beschlossen, gegen sie wurde das Referendum ergriffen; die Stimmbevölkerung entscheidet am 29. November 2026 (SECO).
Für Firmen mit Defence-Anteil dürfte der Ausgang für die Auftragsplanung relevant sein – und damit für den Personalbedarf 2027. Wer Schlüsselrollen besetzen will, sollte die Suche nicht vom Abstimmungsergebnis abhängig machen: Die Vorlaufzeit für erfahrene Systemingenieure ist länger als die Zeit bis zur Abstimmung, weil Kündigungsfristen von mehreren Monaten dazukommen (Kündigungsfrist, Konkurrenzverbot und Pensionskasse richtig planen). Ein Rechenbeispiel mit drei Monaten Kündigungsfrist (Annahmen: fünf Wochen von der Suche bis zur Zusage, davon zwei bis zu den ersten Profilen und drei für Gespräche und Entscheid; im Dezember mit Weihnachtspause etwas länger):
| Suchstart | Zusage | Erster Arbeitstag bei drei Monaten Frist (zum Monatsende / zum Quartalsende) |
|---|---|---|
| Anfang Oktober 2026 | Anfang November 2026 | 1. März / 1. April 2027 |
| nach der Abstimmung (30. November 2026) | im Januar 2027 | 1. Mai / 1. Juli 2027 |
Wer mit der Suche bis zum Ergebnis wartet, hat die Person damit zwei bis drei Monate später an Bord.
Welche Profile sind in Aerospace und Defence typisch gefragt?
Nach unserer Einschätzung gefragt sind vor allem Systems Engineering, Embedded/FPGA/Hochfrequenz, Qualität und Zulassung, Werkstoffe und Fertigung sowie Programm- und Projektleitung:
- Systems Engineering: Anforderungsmanagement, Integration und Verifikation über mehrere Disziplinen.
- Embedded, FPGA und Hochfrequenz: Elektronik für Sensorik, Kommunikation und Steuerung.
- Qualität und Zulassung: Erfahrung mit EN 9100, Konfigurationsmanagement und luftfahrtspezifischen Zulassungen.
- Werkstoffe und Fertigung: Faserverbund, Präzisionsfertigung, zerstörungsfreie Prüfung.
- Programm- und Projektleitung: mit Erfahrung in öffentlichen Beschaffungen und langen Programmlaufzeiten.
Drei Hürden, die den Kandidatenkreis verkleinern
Personensicherheitsprüfung, Exportkontrolle und Haltung verkleinern den Kandidatenkreis:
- Personensicherheitsprüfung: Sie ist bei Aufträgen der Bundesverwaltung oder der Armee für Rollen vorgesehen, die etwa Informationen der beiden oberen Klassifizierungsstufen bearbeiten oder Zugang zu militärischen Schutzzonen haben (Informationssicherheitsgesetz). Sie braucht Zeit und die Einwilligung der Person – klären Sie das im Erstgespräch, nicht nach der Zusage.
- Exportkontrolle und Nationalität: Klären Sie vor der Direktansprache, ob die Rolle Zugang zu kontrollierter Technologie hat. Das Güterkontrollrecht gilt auch für Technologie und Software (SECO); bei Technologie, die dem US-Exportkontrollrecht unterliegt, kann schon die Weitergabe an Personen anderer Staatsangehörigkeit als Reexport in das Land ihrer Staatsangehörigkeit oder ihres Daueraufenthalts gelten («deemed reexport»).
- Haltung: Nicht alle Ingenieure wollen in der Rüstung arbeiten. Eine ehrliche Beschreibung des zivilen und militärischen Anteils spart beiden Seiten Zeit.
Aus welchen Branchen lassen sich Ingenieure für Aerospace und Defence gewinnen?
Nach unserer Einschätzung sind Profile aus Medizintechnik (regulierte Entwicklung, Dokumentation), Bahntechnik (Sicherheitsnachweise), Sondermaschinenbau und Präzisionsfertigung gut übertragbar, suchen aber selten aktiv und werden deshalb gezielt angesprochen (Active Sourcing für Ingenieure); Erfahrung in Luftfahrt und Defence selbst ist in der Schweiz selten und an wenige Arbeitgeber gebunden.
In Süddeutschland sind zudem Entwicklungsingenieure aus dem Fahrzeugbau ansprechbar: In Bayern und Baden-Württemberg, wo der wirtschaftlich belastete Fahrzeugbau eine hohe Bedeutung hat, sind die offenen Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen besonders stark zurückgegangen und die Arbeitslosigkeit am stärksten gestiegen (IW/VDI Ingenieurmonitor, August 2026). Für Embedded- und Systemrollen kommt dieser Pool in Frage, sofern Sicherheitsprüfung und Grenzgänger-Fragen früh geklärt sind (Grenzgänger einstellen 2026).
CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen im High-Performance Engineering – mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz. Wie viele passende Profile CONCAPE im Netzwerk kennt, zeigt der anonyme Talent-Check.
Quellen: Bundesrat, «Ausfuhr von Kriegsmaterial im Jahr 2025» (Medienmitteilung vom 10. März 2026); SECO, Abstimmung über die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes (Stand Oktober 2026); BDLI, Jahreszahlen 2025 (27. Mai 2026, via ESUT); IW/VDI Ingenieurmonitor 2025/IV (3. August 2026); Informationssicherheitsgesetz (Stand 1. Oktober 2025); SECO, Industriegüter: Rechtliche Grundlagen (Güterkontrolle); US-Exportkontrollrecht (Export Administration Regulations, Reexport-Bestimmungen); BSI Group, Qualitätsnorm EN 9100.
Häufige Fragen
Brauchen Ingenieure in der Defence-Branche eine Personensicherheitsprüfung?
Nicht für jede Rolle: Sie kommt in Frage, wenn die Firma einen Auftrag der Bundesverwaltung oder der Armee ausführt und die Rolle etwa Informationen der beiden oberen Klassifizierungsstufen bearbeitet oder Zugang zu militärischen Schutzzonen hat. Klären Sie früh, ob die Rolle die Prüfung verlangt und ob die Person einwilligt – sie verlängert den Prozess, und nicht jede Person ist dazu bereit.
Lassen sich Ingenieure aus der Autoindustrie für Aerospace einsetzen?
Nach unserer Einschätzung oft für Embedded-, Mechatronik- und Systemrollen, wenn die Bereitschaft für stärker regulierte Entwicklung und Dokumentation da ist. Zulassungs- und Qualitätsrollen brauchen dagegen meist echte Branchenerfahrung.
Soll man bis zur Abstimmung mit der Rekrutierung warten?
Für Schlüsselrollen eher nicht. Erfahrene Systemingenieure haben in der Regel Kündigungsfristen von mehreren Monaten; wer erst nach dem Entscheid startet, hat sie voraussichtlich erst zwischen Mai und Juli 2027 an Bord (Rechenbeispiel oben: 1. Mai oder 1. Juli statt 1. März oder 1. April).
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