Rüstungsprogramm 2026: Welche Profile brauchen Zulieferer?
Zulieferer brauchen je Beschaffungsschwerpunkt andere Profile: Systemintegration, Test und Prüfmittel bei Luftverteidigung und Radar, Hochfrequenz und Signalverarbeitung bei Drohnenabwehr und elektronischer Kriegführung, Bodensegment im Weltraum. Das Rüstungsprogramm 2026 über rund CHF 2,4 Mrd. hat das Parlament im September 2026 bewilligt; rund 74 % davon gehen in die bodengestützte Luftverteidigung (eigene Berechnung aus den Beträgen des VBS). Eine Personensicherheitsprüfung hängt an der Funktion oder am Auftrag, nicht am Programm, und bei sicherheitsempfindlichen Aufträgen prüft der Bund in der Regel vor dem Zuschlag auch das Unternehmen; klären Sie das vor der Ansprache.

Wie viel vom Rüstungsprogramm 2026 betrifft Schweizer Zulieferer?
Der Bund rechnet beim Rüstungsprogramm 2026 mit Aufträgen an Schweizer Unternehmen von rund CHF 1 Mrd. und mit Kompensationsgeschäften von CHF 990 Mio.; beide Beträge entsprechen je rund 40 % der Verpflichtungskredite (VBS, Armeebotschaft 2026, abgerufen Oktober 2026). Kompensationsgeschäfte müssen ausländische Auftragnehmer bei Unternehmen in der Schweiz abschliessen. Zulieferer erreichen die Mittel deshalb auf zwei Wegen: als Auftragnehmer des Bundes oder über die Kompensationsgeschäfte ausländischer Lieferanten (unsere Einschätzung). Der Nationalrat hat die Armeebotschaft am 15. September 2026 nach dem Ständerat unverändert bewilligt (VBS).
Das Gewicht liegt bei der Luftverteidigung: CHF 1'800 Mio. der CHF 2'440 Mio., die auf die Einzelvorhaben entfallen, also rund 74 % (eigene Berechnung aus den Beträgen des VBS, Stand Oktober 2026; die Summe entspricht den «rund 2,4 Mrd.»). Zwei Punkte sind offen: Die Abwehr von Mini-Drohnen fehlt in den Auftragsbeträgen, weil ihr Beschaffungsumfang noch nicht festgelegt ist, und für Anzahlungen auf Luftverteidigung, Radar und Drohnenabwehr liegt ein Nachtragskredit von CHF 970 Mio. bei der Finanzkommission des Nationalrats (19. Oktober 2026).
Welches Profil gehört zu welchem Beschaffungsschwerpunkt?
Jeder Schwerpunkt braucht andere Profile, denn «Defence» ist kein Suchprofil: Bei erprobten Serienprodukten (Luftverteidigung, Radar) suchen Zulieferer vor allem Integration, Test, Prüfmittel und Instandhaltung, bei neuen Fähigkeiten (Drohnenabwehr, elektronische Kriegführung, Weltraum) vor allem Entwicklung und Signalverarbeitung. Kredit, Einführung und Erprobung stammen aus dem Rüstungsprogramm 2026 des VBS, die Spalte «Profile» ist unsere Einschätzung. Marktzahlen und die gefragtesten Profile im Überblick stehen in Aerospace und Defence: Was der Rüstungsboom für das Recruiting bedeutet.
| Schwerpunkt | Kredit (CHF Mio.) | Einführung ab | Profile bei Zulieferern (Einschätzung) | Erprobung (VBS) |
|---|---|---|---|---|
| Luftverteidigung mittlerer und kleiner Reichweite | 1'000 und 800 | 2028; neue Feuereinheiten mittlerer Reichweite frühestens 2030 | Systemintegration, Feuerleitung und Luftlagebild (Software), Prüfmittel- und Testentwicklung, Instandhaltung und Logistik | Typen bereits erprobt, die Truppe verifiziert; Ersatzteile und Prüfgeräte gehören zur Beschaffung |
| Radar mittlerer Reichweite (Ersatz des Fliegerradars TAFLIR) | 150 | 2030; TAFLIR Ende 2028 ausser Dienst | Integration in ein geländegängiges Trägerfahrzeug (Mechanik, Thermik, EMV), Hochfrequenz- und Radar-Ingenieur:in, Signalverarbeitung | Serienprodukte, die europäische Streitkräfte einsetzen; umfassende Erprobung entfällt |
| Abwehr von Mini-Drohnen | 70 | 2028, etappenweise | Sensorfusion (Analyse- und Führungssoftware), Radar- und Funktechnik, Embedded und FPGA, Feldtest | Test unter realen Einsatzbedingungen; Beschaffungsumfang noch nicht festgelegt |
| Elektronische Kriegführung | 240 | 2027, schrittweise | Hochfrequenz und Software-Defined Radio, Signalanalyse, FPGA, kompakte Module (Mechanik, Thermik) | Pilotsystem 2025 getestet; modular mit etablierten Standards; Kooperation mit den Niederlanden und Deutschland |
| Weltraum (ESA-Projekt Alpstar) | 30 | 2027, schrittweise; erste Phase Anfang der 2030er | Systemingenieur:in Raumfahrt, Bodensegment (Operationszentrum, Datenverarbeitung), Radar-Nutzlast, Integration und Test | Prototyp und Bodeninfrastruktur mit der ESA und Partnerstaaten |
| Alle Schwerpunkte | – | – | Programmleitung, Business Development mit Beschaffungsnetzwerk, Qualität und Konfigurationsmanagement | – |
Nicht in der Tabelle stehen die Pistole (CHF 50 Mio.) und die Kerninfrastruktur für zivile Datennetze (CHF 100 Mio.; VBS, Oktober 2026). Von Zulassung oder Zertifizierung sprechen die VBS-Seiten zum Rüstungsprogramm nicht, sie nennen Erprobung, Versuche und Verifikation; welche Normen und Prüfprotokolle Ihr Auftraggeber verlangt, klären Sie mit ihm, bevor Sie das Profil festlegen. Prüfen Sie je Profil, ob Behördenerfahrung und ein Netzwerk zu Beschaffungsstellen wirklich Muss sind oder sich einarbeiten lassen.
Spricht etwas dagegen, jetzt Personal aufzustocken?
Ja: Bewilligte Kredite sind noch keine Aufträge an Ihr Haus. Der Umfang der Drohnenabwehr ist offen, die Anzahlungen sind noch in der Beratung, und Radar sowie neue Feuereinheiten sind erst ab 2030 vorgesehen. Dafür spricht: Wer Schnittstellen, Prüfmittel und Nachweise verantwortet, muss im Haus sein, bevor die Einführung beginnt, nicht erst mit ihr. Beide Haltungen sind vertretbar. Entscheidend ist, dass Sie die Rolle einem Schwerpunkt und seinem Einführungsjahr zuordnen und nicht dem Etikett «Defence». Die Abstimmung vom 29. November 2026 über das Kriegsmaterialgesetz betrifft die Ausfuhr von Kriegsmaterial; die Kredite des Rüstungsprogramms hat das Parlament am 15. September 2026 beschlossen.
Welche Sicherheitsanforderung hängt an der Stelle, und was klären Sie vor dem Briefing?
Eine Personensicherheitsprüfung hängt an der Funktion, nicht am Programm: Sie betrifft Personen, die höher als «intern» klassifizierte Informationen bearbeiten, Informatikmittel der Stufe «hoher» oder «sehr hoher Schutz» verwalten, betreiben, warten oder überprüfen oder Zugang zu bestimmten Sicherheitszonen haben (SEPOS, Staatssekretariat für Sicherheitspolitik, Merkblatt, Stand Januar 2024).
Bei sicherheitsempfindlichen Aufträgen kommt auf Unternehmensebene das Betriebssicherheitsverfahren dazu: Die Bedarfsstelle legt gemeinsam mit der Fachstelle Betriebssicherheit die Anforderungen an die Informationssicherheit schon vor der Ausschreibung fest, das Unternehmen durchläuft vor dem Zuschlag eine Eignungsprüfung, darin auch die Frage nach ausländischer Kontrolle oder Beeinflussung, und erhält nach dem Zuschlag die Betriebssicherheitserklärung, sobald es sein Sicherheitskonzept umgesetzt hat. Für Subunternehmen gibt es ein eigenes Antragsformular (SEPOS, Betriebssicherheit, Seite von August 2023, abgerufen Oktober 2026). Vier Fragen gehören vor das Briefing:
- Verlangt der Auftrag die Bearbeitung von Informationen, die höher als «intern» klassifiziert sind, und steht das in der Ausschreibung?
- Sind Sie Haupt- oder Subunternehmen, und wer leitet die Prüfung ein und entscheidet? Wird auf das Betriebssicherheitsverfahren verzichtet, ist die Auftraggeberin einleitende und entscheidende Stelle (Art. 15 VPSP); bei Dritten mit Verfahren entscheidet die Fachstelle Betriebssicherheit (SEPOS, März 2026).
- Welche Rollen führen im Auftrag eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit aus?
- Welche Nachweise verlangt Ihr Auftraggeber (Normen, Prüfprotokolle, Erprobung), und welche Rolle liefert sie?
Welche Personalberatung besetzt Stellen bei Zulieferern im Rüstungsumfeld?
CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen im High-Performance Engineering, etwa Aerospace & Defence, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz, per Direct Search in über 40'000 Profilen (CONCAPE, Stand 10/2026). Der Talent-Check zeigt vorab als Bandbreite, wie viele passende Profile bekannt sind; die Modelle stehen offen unter Preise.
Verbindlich Auskunft zu Personensicherheitsprüfung und Betriebssicherheitsverfahren geben die Fachstelle für Personensicherheitsprüfungen und die Fachstelle Betriebssicherheit beim SEPOS; dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Stand: Oktober 2026. Quellen: VBS/Gruppe Verteidigung, Armeebotschaft 2026 und Rüstungsprogramm 2026 (Seiten vom 20. März 2026, abgerufen Oktober 2026); VBS, Mitteilung vom 15. September 2026; Parlament, Medienmitteilung der FK-N vom 19. Oktober 2026; Parlament/SDA vom 15. September 2026; SECO, Abstimmung Kriegsmaterialgesetz (abgerufen Oktober 2026); SEPOS, Personensicherheitsprüfungen (März 2026), Merkblatt (Stand Januar 2024) und Betriebssicherheit (August 2023); CONCAPE, Stand Oktober 2026; Rechenbeispiele eigene Berechnung.
Häufige Fragen
Wer entscheidet am Ende, ob eine geprüfte Person die Tätigkeit ausüben darf?
Die entscheidende Stelle, nicht die Fachstelle: Deren Erklärungen (Sicherheitserklärung, Sicherheitserklärung mit Vorbehalt, Risikoerklärung, Feststellungserklärung) sind Empfehlungen, an die die entscheidende Stelle nicht gebunden ist (SEPOS, Merkblatt, Stand Januar 2024). Bei Dritten mit Betriebssicherheitsverfahren entscheidet die Fachstelle Betriebssicherheit (SEPOS, März 2026).
Was sagen Sie Kandidat:innen zur Personensicherheitsprüfung?
Dass sie in der Regel nur mit ihrer Zustimmung eingeleitet und durchgeführt wird, dass je nach Prüfstufe sicherheitsrelevante Daten zur Lebensführung erhoben werden, etwa aus dem Strafregister, und dass bei bestimmten Funktionen ein persönliches Gespräch dazugehört (SEPOS, Merkblatt, Stand Januar 2024). Sagen Sie schon in der ersten Nachricht, dass die Stelle geprüft wird, wenn sie im Auftrag eine sicherheitsempfindliche Tätigkeit einschliesst.
Lassen sich Fachleute aus der zivilen Elektronik für Radar und elektronische Kriegführung gewinnen?
Für Hochfrequenz, Signalverarbeitung, FPGA und Embedded nach unserer Erfahrung oft ja, weil die Methoden dieselben sind; Branchenerfahrung brauchen eher Rollen mit Nachweis- oder Behördenbezug. Klären Sie früh, ob die Person in einem Umfeld mit Sicherheitsanforderungen arbeiten will; das ist eine Frage der Haltung, nicht der Qualifikation. Wie Sie passive Fachleute erreichen, steht in Active Sourcing für Ingenieure.
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