CONCAPE Redaktion

Verdient dein neuer Kollege mehr als du – und was nun?

Rechne zuerst nach, ob die Lücke auf gleicher Basis besteht (Jahres-Total, Funktion), und sprich dann mit deiner Führungsperson: mit deinem Beitrag und einer Marktzahl, ohne den Namen des Kollegen, und mit einer schriftlichen Antwort bis zu einem Datum. Rechtlich ist dein Spielraum eng: Das Bundesgericht lässt im Arbeitsvertrag grundsätzlich unterschiedliche Löhne zu; eine Ausnahme ist die Benachteiligung wegen des Geschlechts (Art. 3 GlG). Kommt nach dem Gespräch weder ein Betrag noch ein Kriterium mit Datum, prüfe den Markt, kündige aber erst mit unterschriebenem neuem Vertrag.

Titelgrafik: Verdient dein neuer Kollege mehr als du – und was nun? Weisse Schrift auf dunkelblauem Grund, Rubrik Karriere & Grenzgänger, CONCAPE-Logo

Warum verdient ein neuer Kollege mehr als du?

Weil neue Verträge zum aktuellen Marktpreis abgeschlossen werden, während bestehende Löhne den jährlichen Runden und Budgets folgen (ingenieur.de, 21. Oktober 2026). Das deutsche Fachportal nennt das Gehaltsinversion und sieht sie bei knappen Spezialkompetenzen, etwa in Automatisierung und Elektrotechnik; Zahlen nennt es nicht. Die Ursachen aus Sicht der Firma stehen im Beitrag «Darf die neue Person mehr verdienen als Ihr Team?». Die Schweizer Lohnstrukturerhebung vergleicht keine gleichen Stellen und kann eine Inversion daher weder belegen noch ausschliessen; sie zeigt in den Branchen der Tabelle im Median unterschiedlich steile Staffelungen nach Dienstjahren.

Median pro Monat in CHF, Vollzeit, Schweiz, alle Funktionen, Oktober 2024 (BFS); Abstand = Median ab 20 Dienstjahren gegen Median unter einem Dienstjahr:

BrancheUnter 1 Dienstjahr20 und mehr DienstjahreAbstand
Gesamtwirtschaft5'9428'532+44 %
Maschinenbau6'8878'675+26 %
Datenverarbeitungsgeräte, Elektronik, Optik, Uhren7'0858'667+22 %
Energieversorgung7'8299'459+21 %
Elektrische Ausrüstungen6'7157'444+11 %

In der Gesamtwirtschaft verdienen Langjährige im Median 44 % mehr als Neueingetretene, bei elektrischen Ausrüstungen nur 11 %. Je flacher die Staffelung, desto eher überholt ein gesuchtes Profil die Langjährigen (Annahme). Zwischen den beiden Gruppen können sich Alter, Funktion und Ausbildung unterscheiden.

Ist die Lücke auf gleicher Basis wirklich da?

Ob die Lücke wirklich da ist, zeigt erst das Jahres-Total: Ein genannter Monatslohn lässt sie grösser oder kleiner erscheinen, als sie ist. Über drei Viertel (75,9 %) der Arbeitnehmenden erhielten 2024 einen 13. Monatslohn, knapp ein Drittel (32,6 %) einen Bonus (BFS, November 2025). Im Rechenbeispiel (Beispielwerte, nicht gemessen) hörst du «9'000 im Monat» und verdienst 8'400:

Position (CHF)DuNeuer Kollege
Monatslohn8'4009'000
Anzahl Monatslöhne1312
Fixlohn pro Jahr109'200108'000
Zielbonus pro Jahr05'000
Jahres-Total109'200113'000

Aus CHF 600 im Monat (CHF 7'200 im Jahr, mit zwölf gerechnet) werden im Jahres-Total CHF 3'800 oder 3,5 %. Dann folgt die Funktion: Stufe, Führung, Zertifikat, Pikett. Bleibt keine Differenz, brauchst du ein Gespräch über deine Entwicklung, nicht über den Kollegen. Bleibt eine, ist sie dein Ausgangspunkt, nicht dein Ziel; das Ziel kommt vom Markt. Hörensagen ist eine Spur, kein Beleg.

Darf dein Arbeitgeber einem Neuen mehr zahlen?

Ja: Für den vereinbarten Vertragsinhalt sind nach dem Bundesgericht beliebige Unterschiede zwischen einzelnen Arbeitnehmenden erlaubt, und wer schlechter verhandelt als Kolleg:innen, muss die schlechteren Bedingungen grundsätzlich hinnehmen (BGE 129 III 276, Erwägung 3.1, 2002; noch im Urteil 4A_239/2021 vom 16. Dezember 2022 herangezogen, dort zur Gleichbehandlung bei einer Gratifikation; Gesetz: Art. 322 Abs. 1 OR). Eine Grenze setzt das Gleichstellungsgesetz: Bei der Entlöhnung darf niemand wegen des Geschlechts benachteiligt werden (Art. 3 GlG). Für dich bleibt deshalb vor allem die Verhandlung.

Wie führst du das Gespräch mit deiner Führungsperson?

Du führst es vorbereitet, mit deinem Beitrag und einer Marktzahl statt mit dem Namen des Kollegen oder seinem Lohn. Geh nicht am Tag der Erkenntnis hin: Rechne die Lücke zuerst auf das Jahres-Total; wie du Beitrag und Marktzahl belegst, steht im Beitrag «Wann fragst du für 2027 nach mehr Lohn – und wie viel?». Drei Einwände zum Vergleich sind typisch:

Einwand der FührungDeine AntwortDein Ziel
«Er bringt etwas mit, das dir fehlt.»«Was genau, und was brauche ich für diese Stufe, bis wann?»Kriterium mit Datum
«Das war der Marktpreis.»«Dann ist der Preis für meine Funktion gestiegen. Wie wird mein Lohn daran gemessen?»Termin für eine Marktprüfung
«Du liegst im Lohnband.»«Wo im Band, und wann rückt man vor?»Position und Regel

Fasse das Ergebnis am selben Tag in einer kurzen E-Mail zusammen («Wie besprochen …») und halte fest, bis wann du die Antwort erwartest.

Verhandeln oder extern prüfen: Woran entscheidest du?

An der Antwort, nicht am Gefühl: Kommt ein Betrag oder ein Kriterium mit Datum schriftlich, bleibst du intern; kommt keines von beiden, prüfst du den Markt.

Antwort nach dem GesprächDein Schritt
Betrag und Datum schriftlichIntern bleiben; liegt der Betrag unter deiner Marktzahl, einmal nachverhandeln
Kriterium für die Stufe, mit DatumIntern bleiben, solange das Datum schriftlich steht
Zusage ohne Betrag oder Datum («bei der nächsten Runde»)Schriftlich nach beidem fragen; bleibt es aus, extern prüfen
Kein Spielraum oder Verstimmung über das GesprächExtern prüfen

Extern prüfen heisst nicht kündigen: Sprich mit zwei, drei Stellen, hole ein Angebot als Vergleich und kündige erst mit unterschriebenem Vertrag. Fristen, Konkurrenzverbot und Zeugnis stehen in Jobwechsel in der Schweiz. Prüfe, ob im neuen Betrieb neben dem Lohn auch Aufgabe, Entwicklung und Führung besser sind, sonst nimmst du dieselben Fragen mit. Zahlt dein Arbeitgeber mit einem Gegenangebot nach, prüfe, ob es die Gründe löst und nicht nur die Zahl (wie Firmen es erleben).

Welche Personalberatung prüft mit Ingenieur:innen den Markt in der Ostschweiz und in Liechtenstein?

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen in Halbleiter & Elektronik, Energie & Hochspannung, High-Performance Engineering sowie Food & Advanced Process, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz; für Kandidat:innen ist die Beratung kostenlos (CONCAPE, Stand Oktober 2026). Offene Stellen stehen unter Jobs, ein Gespräch zur Marktlage ist unverbindlich, und dein Profil wird nur mit deinem Einverständnis vorgestellt.

Quellen: ingenieur.de (21. Oktober 2026); BFS, Lohnstrukturerhebung 2024 (STAT-TAB-Würfel 206, Abfrage 22. Oktober 2026; Medienmitteilung vom 25. November 2025); Bundesgericht, BGE 129 III 276 und Urteil 4A_239/2021; Fedlex, OR und GlG. Rechenbeispiele sind eigene Berechnungen mit Beispielwerten. Stand: Oktober 2026. Der Artikel beschreibt Schweizer Recht; in Liechtenstein gilt eigenes Recht. Keine Rechtsberatung: Verbindlich Auskunft zu deinem Vertrag und zur Lohngleichheit gibt eine Fachperson für Arbeitsrecht.

Häufige Fragen

Soll ich den Namen des Kollegen im Gespräch nennen?

Nein: Du kennst seinen Lohn womöglich nur vom Hörensagen, er war vielleicht nicht für dich bestimmt, und das Gespräch dreht sich dann um ihn statt um dich. Nenne deine Marktzahl mit Quelle. Ob dein Vertrag oder ein Reglement Stillschweigen zum Lohn vorsieht, steht im Dokument.

Was gilt, wenn der Unterschied am Geschlecht hängt?

Dann gilt das Verbot der Benachteiligung bei der Entlöhnung (Art. 3 GlG): Wer betroffen ist, kann beantragen, die Zahlung des geschuldeten Lohns anzuordnen (Art. 5 Abs. 1 GlG), und die Diskriminierung wird vermutet, wenn du sie glaubhaft machst (Art. 6 GlG). Hole dir vor dem ersten Schritt eine arbeitsrechtliche Beratung; das Lohngespräch allein reicht dann nicht.

Wie lange wartest du auf die Antwort, bevor du den Markt prüfst?

Setze das Datum im Gespräch selbst und halte es per E-Mail fest; vier Wochen sind ein Beispielwert, kein Gesetz. Ohne Datum wandert die Antwort in die nächste Lohnrunde. Den Markt darfst du schon während der Frist sondieren: Gespräche kosten nichts und binden dich nicht.

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