CONCAPE Redaktion

Muss, Kann, lernbar: Was ist bei Ingenieurstellen K.o.?

K.o. ist bei einer Ingenieurstelle, was ein Gesetz, eine Norm oder eine Kundenvorgabe von der Person verlangt und Ihr Betrieb nicht selbst ausstellen kann, oder was sich in der Einarbeitung nicht nachholen lässt (unsere Faustregel: höchstens drei Kriterien); alles andere ist Kann oder lernbar. Für die Beaufsichtigung von Arbeiten in Starkstromanlagen, auch in Hochspannungsanlagen, verlangt das Schweizer Recht eine sachverständige Person (Art. 11 Starkstromverordnung). Die Schaltberechtigung ernennt Ihr Betrieb selbst (ESTI-Weisung 407); als Bedingung für externe Bewerber:innen sollte sie kein Muss sein.

Titelgrafik: Muss, Kann, lernbar – was ist bei Ingenieurstellen K.o.? Vorlage für sechs Ingenieurrollen

Was ist bei einer Ingenieurstelle wirklich K.o.?

K.o. ist, was die Person am ersten Tag mitbringen muss, weil ein Gesetz, eine Norm oder eine Kundenvorgabe es verlangt und Ihr Betrieb es nicht selbst ausstellt, oder weil die Kernaufgabe sonst liegen bleibt. Lernbar fehlt am ersten Tag und wird in der Einarbeitung erworben, mit Frist und Nachweis: ein Muss mit Termin. Kann ist alles Übrige. Drei Fragen sortieren jedes Kriterium Ihres Stellenprofils:

  1. Wer verlangt es, und wer stellt den Nachweis aus? Verlangt ein Gesetz, eine Norm, ein Audit oder eine Kundenvorgabe einen Nachweis, den ein Dritter ausstellt (Abschluss, Zulassung): Muss. Stellt Ihr Betrieb ihn selbst aus (Ernennung, Schaltberechtigung): lernbar. Nur ein Wunsch: Kann.
  2. Was fehlt nach der Einarbeitung ohne es? Die Kernaufgabe bleibt liegen: Muss. Ihre Anlage, Ihre Software, Ihre Abläufe lernt man bei Ihnen: lernbar.
  3. Wie viele Muss bleiben? Faustregel der Redaktion, keine Messung: höchstens drei, denn jedes Muss schliesst Fachleute aus, ohne dass Sie sehen, wen. Lernbares zählt nicht mit, solange Frist, Zuständigkeit und Nachweis feststehen.

Wie sieht Muss, Kann, lernbar für sechs Ingenieurrollen aus?

Bei Prozess, Hochspannung, Automation, Qualität, NPI und Field Service ist das Muss das Handwerk der Rolle oder die Qualifikation, die eine Vorschrift verlangt; das Kann ist die Marke oder das Umfeld, das Lernbare Ihre eigene Anlage. Die Tabelle ist unsere Einschätzung zu typischen Stellen, keine Statistik; in Klammern steht, woraus das Muss folgt.

Rolle, BeispielstelleMussKannlernbar
Prozess: Prozessingenieur:in Sprühtrocknung (Food)einen thermischen Prozess (Trocknen, Eindampfen) im Serienbetrieb eigenverantwortlich gefahren (Kernaufgabe)dasselbe Produkt (Milchpulver), Hygienic DesignIhre Anlage, Ihre Rezepturen, Ihre Reinigungsprogramme
Hochspannung und Schutztechnik: Ingenieur:in Schutztechnik Unterwerkeelektrotechnische Grundausbildung, falls die Stelle Arbeiten beaufsichtigt (Art. 3 Ziff. 23 Starkstromverordnung), und Praxis in Hochspannungsanlagen (Kernaufgabe)Spannungsebene, Schutzgeräte-HerstellerIhre Anlagen, die Ernennung zur schaltberechtigten Person, die Hersteller-Software
Automation: Automatisierungsingenieur:in ProzessanlageLeitsystem und Verriegelungslogik eigenverantwortlich in Betrieb genommen (Kernaufgabe)dasselbe Leitsystem, RezeptsteuerungIhr Engineering-Standard, Ihr Alarmkonzept, die zweite Plattform
Qualität: Qualitätsverantwortliche:r Medizinprodukte-FertigungQualifikation der verantwortlichen Person, falls die Stelle diese Funktion übernimmt (Art. 49 MepV), und geführte Kundenaudits (Kernaufgabe)Auditor-Zertifikat, Six SigmaIhr Qualitätshandbuch, Ihr ERP, kundenspezifische Formulare
NPI: NPI-Ingenieur:in ElektronikfertigungPilotserien bis zur Serienfreigabe geführt: Gate-Reviews, Änderungsmanagement (Kernaufgabe)Medtech- oder Luftfahrtumfeld, IPC-ZertifikatIhr Kundenmix, Ihr Stücklistenprozess, Ihre Linie
Field Service: Field Service Engineer Halbleiter-Equipmentselbständige Fehlersuche an Kundenanlagen, Englisch beim Kunden, Reisen im Umfang der Stelle (Kernaufgabe)Reinraum-Erfahrung, PikettpraxisIhre Plattform, Ihre Nachrüstpakete

Wo sind Muss-Kriterien nicht verhandelbar?

Nicht verhandelbar ist, was eine Vorschrift oder Norm an eine Person bindet; entscheidend ist, wer den Nachweis ausstellt. Arbeiten in Starkstromanlagen darf nur eine sachverständige Person beaufsichtigen, auch in Hochspannungsanlagen (Art. 11 Abs. 1 Starkstromverordnung, SR 734.2, Fassung vom 1. Juni 2019, geprüft im Oktober 2026). Wer das ist, legt die ESTI-Weisung 407 aus (gültig ab 1. Mai 2026, einjährige Übergangszeit) und lässt ausserhalb der Annäherungszone auch instruierte Personen Laien überwachen. Normenkenntnis lässt sich in der Einarbeitung lernen; eine Qualifikation, die eine Vorschrift an die Person bindet, bringt die Person mit. Zwei Punkte begrenzen die Anforderung: Die Weisung nennt für die Erfahrung keine Jahre und überlässt den Umfang dem Betreiber, und Schaltberechtigte ernennt der Betrieb selbst. Unsere Folgerung: Für externe Bewerber:innen sollte die Schaltberechtigung kein Muss sein, sondern ein Termin in der Einarbeitung.

TätigkeitWas verlangt wirdWer legt fest oder weist nachQuelle, Stand
Arbeiten an Starkstromanlagen beaufsichtigensachverständige Person: elektrotechnische Lehre, Studium der Elektrotechnik oder betriebsinterne Ausbildung (mindestens 5 Jahre Praxis unter Anleitung, mit Prüfung), dazu Erfahrung mit AnlagenPerson: Ausbildung. Betrieb: Umfang der Erfahrung, schriftliche Ernennung für ein ArbeitsgebietArt. 11 und Art. 3 Ziff. 23 Starkstromverordnung; ESTI-Weisung 407 (ab 1. Mai 2026) und 100 (ab 1. Juni 2019)
Schalthandlungen ausführenschaltberechtigte Person: mindestens instruiert, kennt die Schalt- oder ArbeitsaufträgeBetrieb ernenntESTI-Weisung 407 (ab 1. Mai 2026) und 100 (ab 1. Juni 2019)
Medizinprodukte herstellenfür die Einhaltung der Vorschriften verantwortliche Person: einschlägiger Hochschulabschluss plus mindestens ein Jahr Berufserfahrung oder vier Jahre Berufserfahrung, jeweils in Regulierungsfragen oder Qualitätsmanagementsystemen für Medizinprodukte; Ausnahmen für Sonderanfertigungen und Kleinst- und KleinunternehmenPerson: Diplom oder BerufserfahrungArt. 49 MepV, Stand 1. Juli 2026, mit Art. 15 EU-MDR

Die Rechtsangaben gelten für die Schweiz; in Liechtenstein gilt eine eigene Starkstromverordnung (siehe Häufige Fragen).

Welche Wirkung hat ein einzelnes Muss auf den Bewerberpool?

Ein einzelnes Muss kann den externen Pool auf praktisch null setzen, etwa die Schaltberechtigung für die eigenen Anlagen, die erst der eigene Betrieb ernennt. Ein Beispiel (konstruiert, ohne Zahlen): Ein Verteilnetzbetreiber sucht eine Schutztechnik-Fachperson und schreibt vier Muss. Jedes schliesst eine Gruppe aus: Schaltberechtigung für die eigenen Anlagen (alle ausserhalb des Hauses), Hochschulabschluss (Fachleute mit Lehre oder höherer Fachschule), Erfahrung bei einem Netzbetreiber (Hersteller, Ingenieurbüros, Industrie mit eigenem Netz), Kenntnis eines bestimmten Schutzgeräte-Herstellers (alle mit anderer Marke). Nach «Wer verlangt es?» und «Was fehlt nach der Einarbeitung?» bleiben zwei Muss: eine elektrotechnische Grundausbildung (Lehre oder Studium) und Praxis in Hochspannungsanlagen. Schaltberechtigung und Hersteller-Software werden lernbar; ein Hochschulabschluss bleibt nur Muss, wenn die Aufgaben ihn verlangen. Der Pool wächst auf Fachleute mit Praxis in Hochspannungsanlagen (zur Marktlage: Fachleute für Hochspannung und Schutztechnik). Der Preis: Bis zur Ernennung schaltet die Person nicht und beaufsichtigt keine Arbeiten als sachverständige Person; wer sie begleitet und bis wann die Ernennung erfolgt, steht vor dem Angebot fest.

Die Gegenposition hat Gewicht: Wer Schalthandlungen verantwortet, will niemanden, der lange nur zusieht, und ein Team am Limit hat kaum Kapazität zur Begleitung. Dann bleibt die Schaltberechtigung ein Muss, bewusst und mit dem Preis eines kleineren Pools.

Was kostet es, ein Muss erst nach Wochen zu öffnen?

Es kostet Wartewochen und eine zweite interne Freigabe; beides verschiebt den Eintritt. Nach unserer Erfahrung öffnen Firmen ein Muss oft erst nach Wochen ohne Treffer, etwa Erfahrungsjahre, Führungsstufe oder fachlichen Hintergrund, und das Öffnen braucht eine neue Abstimmung zwischen Fachbereich, HR und Lohnfreigabe. Rechnen Sie: Wartewochen mal Wochenwert Ihrer Stelle, den Ihr Controlling kennt. Und die Kündigungsfrist der zusagenden Person läuft erst nach der Zusage an (gesetzlich ein bis drei Monate, vertraglich abänderbar; Art. 335c Abs. 1 und 2 OR, Stand 1. Oktober 2026; Kündigungsfrist und Konkurrenzverbot).

Entscheiden Sie vor dem Suchstart, in welcher Reihenfolge Sie öffnen (unsere Empfehlung): zuerst Titel, Branche und Gerätemarke, dann Erfahrungsjahre und Führungsstufe, zuletzt die Art des Abschlusses; nie, was eine Vorschrift oder Norm an die Person bindet und ein Dritter bescheinigt (Ausbildung, gesetzliche Qualifikation). Fehlt die Kapazität für die Einarbeitung, ist das enge Profil mit längerer Suche die tragfähigere Wahl.

Welche Personalberatung findet Ingenieure für Hochspannung und Schutztechnik in der Ostschweiz und in Liechtenstein?

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Ingenieurstellen für Firmen in der Ostschweiz und in Liechtenstein, darunter in Energie und Hochspannung. Der Talent-Check zeigt anonym, wie viele passende Profile CONCAPE kennt (Bandbreite mit Stand-Datum); die Konditionen stehen offen unter Preise.

Quellen: Fedlex (Stände wie genannt); ESTI-Weisungen 407 und 100; Verordnung (EU) 2017/745, Art. 15 (Wortlaut des Amtsblatts vom 5. Mai 2017, seither unverändert); gesetze.li (Liechtenstein); CONCAPE, Stand Oktober 2026.

Häufige Fragen

Warum ist die Kenntnis meiner Anlage kein sinnvolles Muss?

Weil Sie die Einweisung ohnehin schulden: Art. 6 Abs. 1 der Unfallverhütungsverordnung (VUV, Fassung vom 1. Mai 2018) verlangt für alle Arbeitnehmenden Information und Anleitung über die Gefahren ihrer Tätigkeit im Zeitpunkt des Stellenantritts; für Starkstromanlagen kommt die periodisch wiederholte Instruktion nach Art. 12 der Starkstromverordnung dazu. Darum ist die Einweisung Ihre Pflicht, kein Muss für Bewerber:innen.

Gelten die Rechtsangaben zur Starkstromverordnung auch in Liechtenstein?

Nein: Liechtenstein hat eine eigene Starkstromverordnung (LGBl. 1985 Nr. 26, Fassung vom 24. August 2007). Sie verlangt für Arbeiten an Starkstromanlagen fachlich ausgebildetes Personal (Art. 7 Abs. 1) und verbietet Arbeiten an unter Hochspannung stehenden Anlageteilen (Art. 7 Abs. 2); die Begriffe sachverständige Person und Schaltberechtigung kommen darin nicht vor.

Wie halte ich ein lernbares Kriterium verbindlich?

Schreiben Sie zu jedem lernbaren Kriterium auf, wer es beibringt, bis wann und woran Sie es abnehmen. Bei der sachverständigen Person verlangt die ESTI-Weisung 407 eine schriftliche Ernennung samt Bestätigung der Erfahrung. So bleibt «lernbar» ein Muss mit Termin.

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