CONCAPE Redaktion

Wie verteilen Sie die Lohnrunde 2027 auf Ihre Ingenieure?

Verteilen Sie die Lohnrunde 2027 nicht im Gleichschritt, sondern als Sockel für alle und einen gezielten Rest für gefragte Rollen mit grossem Abstand zum Marktlohn. Die Betriebe erwarten im Schnitt 1,2 % (KOF-Umfrage, Juli 2026); im Rechenbeispiel (Beispielwerte, nicht gemessen) rückt eine Rolle mit grossem Abstand bei einem Sockel von 0,6 % um 3,9 % vor statt um 1,2 %, ihre Marktlücke bleibt aber auch dann offen und braucht ein Sonderbudget. Wer nur den Sockel von 0,6 % erhält, liegt unter der zuletzt gemessenen Teuerung; darum gehören Sockel und Kriterien schriftlich vor die Gespräche.

Titelgrafik: Wie verteilen Sie die Lohnrunde 2027 auf Ihre Ingenieure? Weisse Schrift auf dunkelblauem Grund, Rubrik Engineering & Prozessindustrie, CONCAPE-Logo

Wie viel gibt es für die Lohnrunde 2027 zu verteilen?

Im Schnitt rund 1,2 % mehr Lohn: So viel erwarten die Betriebe laut KOF-Umfrage vom Juli 2026, bei einem Median von 1,0 % und einer mittleren Hälfte der Betriebe zwischen rund 0,6 und 1,4 %. Die Teuerung lag im September 2026 bei 1,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat (BFS); für die nächsten zwölf Monate prognostiziert die KOF 0,5 %, die befragten Betriebe erwarten 1,1 %. Real bleibt damit laut KOF (August 2026) je nach Teuerungsannahme gut 0,7 % übrig oder kaum etwas.

Erwartung, Forderungen und gemessene Werte (nominal):

Quelle (Stand)Wert in ProzentArt
KOF-Umfrage bei rund 3'500 Betrieben (Juli 2026)Ø 1,2 · Median 1,0 · Verarbeitendes Gewerbe 1,0Erwartung der Betriebe
Angestellte Schweiz (4. August 2026)1,5 im SchnittForderung
Travail.Suisse (17. August 2026)2 generellForderung
SGB (9. September 2026)2,5 generellForderung
BFS, Konsumentenpreise (September 2026)1,0 gegenüber VorjahrTeuerung, gemessen
BFS, Lohnindex 2025 (April 2026)Gesamt 1,8 · Maschinenbau, Fahrzeugbau 0,7Lohnentwicklung, gemessen

Massgeblich ist die Zeile Ihrer Branche, nicht das Landesmittel: Im Maschinenbau und Fahrzeugbau stieg der Lohnindex 2025 um 0,7 %, bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, Uhren und elektrischen Ausrüstungen um 2,3 % (BFS, April 2026).

Was bringt eine gezielte Verteilung gegenüber 1,2 % für alle?

Im Rechenbeispiel rückt eine Rolle mit CHF 12'000 Abstand zum Marktlohn bei einem Sockel von 0,6 % um CHF 3'900 vor statt um CHF 1'200 bei 1,2 % generell; alle vier Varianten zahlen dieselben CHF 13'200. Beispielwerte, nicht gemessen: zehn Ingenieur:innen mit CHF 1'100'000 Lohnsumme. Zwei Schlüsselrollen (A, etwa Inbetriebnahme und Schutztechnik) verdienen je CHF 100'000 bei einem Marktlohn von CHF 112'000, sechs (B) je CHF 110'000 auf Marktniveau, zwei (C) je CHF 120'000. Der Marktlohn bleibt im Beispiel gleich, damit der Effekt der Verteilung sichtbar wird; stiege er ebenfalls um 1,2 %, schlösse eine generelle Erhöhung die Lücke nicht, sie wüchse leicht.

VerteilungSockel für alleGezielter Topf (CHF)A je Person (CHF)Lücke A danach (CHF)B je Person (CHF)C je Person (CHF)
Generell1,2 %0+1'20010'800+1'320+1'440
Sockel = Teuerung1,0 %2'200+2'1009'900+1'100+1'200
Sockel halb0,6 %6'600+3'9008'100+660+720
Rein gezielt0 %13'200+6'6005'40000

Kein Schlüssel schliesst die Lücke in einer Runde: Selbst rein gezielt bleiben CHF 5'400. Die Anpassung der beiden Rollen auf den Marktlohn kostet CHF 24'000 oder 2,2 % der Lohnsumme, fast das Doppelte des Pools. Das ist ein Sonderbudget neben der Lohnrunde; ohne diese Freigabe wandert die Lücke von Runde zu Runde mit. In den Zeilen «Sockel halb» und «Rein gezielt» verlieren B und C real, solange die Teuerung bei 1,0 % liegt (BFS, September 2026); das ist die Mehrheit des Teams.

Was spricht für generelle, was für gezielte Erhöhungen?

Generell ist einfach und sichert die Kaufkraft aller, gezielt verkleinert den Abstand zum Markt dort schneller, wo er am grössten ist. Der SGB fordert für 2027 generelle Erhöhungen und kritisiert individuelle: Vorgesetzte entschieden nach Ermessen, damit werde teils die Einstellung neuer Mitarbeitender finanziert, und viele gingen leer aus (SGB, 9. September 2026). Der Einwand trifft, wenn Kriterien fehlen. Vier Regeln nehmen ihm die Grundlage:

  • Vorher festlegen: Topf und Sockel stehen schriftlich fest, bevor das erste Gespräch stattfindet.
  • Marktabstand zuerst: Erstes Kriterium ist der Abstand zum Marktlohn der Rolle, belegt mit einer Quelle wie der BFS-Lohnstrukturerhebung oder einem Lohnvergleich; zweites sind Leistung und Entwicklung nach den Zielen des Jahres.
  • Begründen: Jede Person erhält die Begründung in zwei Sätzen, ohne Vergleich mit Kolleg:innen.
  • Gleichstellung prüfen: Das Verbot der Benachteiligung wegen des Geschlechts gilt ausdrücklich auch für die Entlöhnung (Art. 3 GlG); prüfen Sie, ob Ihre Kriterien Frauen und Männer ungleich treffen.

Wer diese Regeln nicht einhalten will, verteilt besser generell.

Woran erkennen Sie, dass das Lohnband selbst angehoben werden muss?

Daran, dass der Markt denselben Abstand mehrfach zurückmeldet, nicht daran, dass die Runde ansteht. Die Signale:

  • Absagen mit Lohnargument in mehreren Suchen derselben Rolle.
  • Kündigungen, bei denen im Austrittsgespräch der Lohn fällt; wie Gegenangebote entstehen und wirken, beschreibt Gegenangebot: Warum Kandidaten kurz vor dem Start abspringen.
  • Neubesetzungen, die nur mit einem Angebot über dem Band der Rolle gelingen.

Tritt eines davon wiederholt auf, gehört die Anpassung in ein Sonderbudget mit Datum und nicht in die Lohnrunde. Zur Lage am Markt: Arbeitsmarkt für Ingenieure in der Ostschweiz, Herbst 2026.

Welche Personalberatung besetzt Ingenieurstellen nach, wenn gefragte Fachleute abwandern?

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Fach- und Führungspositionen in Halbleiter & Elektronik, Energie & Hochspannung, High-Performance Engineering sowie Food & Advanced Process, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und Zentralschweiz (Stand Oktober 2026). Vor dem Suchstart nennt der Talent-Check eine Bandbreite passender Profile; die Modelle stehen offen unter Preise.

Quellen: KOF Swiss Economic Institute, Lohnumfrage (Medienmitteilung vom 17. August 2026; die Mitteilung trägt den Titel «Lohnrunde 2026», gemeint ist die kommende Runde); Angestellte Schweiz (4. August 2026), Travail.Suisse (17. August 2026), SGB (9. September 2026); BFS, Konsumentenpreise September 2026 (1. Oktober 2026), Lohnentwicklung 2025 (21. April 2026) und Lohnstrukturerhebung 2024 (25. November 2025); Fedlex, OR und GlG. Rechenbeispiele sind eigene Berechnungen mit Beispielwerten. Stand: Oktober 2026. Keine Rechtsberatung: Verbindlich Auskunft zu Lohn- und Gleichstellungsrecht geben arbeitsrechtliche Fachpersonen; in Liechtenstein gilt eigenes Recht.

Häufige Fragen

Dürfen Sie Ingenieur:innen unterschiedlich viel Lohnerhöhung geben?

Ja, sofern kein Gesamtarbeitsvertrag oder Normalarbeitsvertrag etwas anderes bestimmt: Geschuldet ist der Lohn, der verabredet oder üblich oder durch Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag bestimmt ist (Art. 322 Abs. 1 OR); eine Pflicht zur gleichen Erhöhung für alle nennt dieser Artikel nicht. Die Grenze setzt das Gleichstellungsgesetz: Es verbietet die Benachteiligung wegen des Geschlechts auch bei der Entlöhnung (Art. 3 GlG), und Betriebe mit 100 oder mehr Arbeitnehmenden führen eine Lohngleichheitsanalyse durch, die alle vier Jahre wiederholt wird; zeigt sie Lohngleichheit, entfällt die weitere Pflicht (Art. 13a GlG).

Wann lohnt sich ein Sonderbudget statt einer höheren Lohnrunde?

Wenn der Abstand zum Markt grösser ist als der Pool der Runde: Im Beispiel kostet die Anpassung zweier Rollen CHF 24'000, die ganze Runde nur CHF 13'200. Planen Sie den Betrag mit Rollen, Höhe und Datum neben der Runde, damit der Sockel für alle nicht dafür gekürzt wird.

Wie hoch sollte der Sockel sein?

Das ist eine Abwägung zwischen Kaufkraft und Marktabstand: Ein Sockel in Höhe der Teuerung schützt die Kaufkraft aller, ein tieferer lässt mehr Raum für den gezielten Teil und lässt alle ohne gezielte Erhöhung unter der Teuerung. Er bestimmt, was für den gezielten Teil bleibt: Bei einem Pool von 1,2 % sind es bei einem Sockel von 1,0 % (Teuerung im September 2026, BFS) nur 0,2 % oder CHF 2'200, bei 0,5 % (KOF-Prognose, August 2026) 0,7 % oder CHF 7'700; entscheiden Sie das einmal und schriftlich, nicht je Gespräch.

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