Kriegsmaterialgesetz: Wie planen Defence-Firmen Personal?
Uns bekannt sind vor der Abstimmung am 29. November 2026 nur Erwartungen, keine Personalpläne: In einer mit Hilfe von Swissmem durchgeführten Deloitte-Umfrage unter 66 Firmen erwarten 64 % bei einem Nein Verlagerungen von Arbeitsplätzen ins Ausland; die GSoA, die das Referendum ergriffen hat, hält dagegen, ein Nein bewahre nur den Status quo, deshalb sollte es eigentlich keinen Grund für Entlassungen geben. Tragfähig ist nach unserer Einschätzung eine Planung in drei Gruppen: Rollen, die in beiden Ausgängen nötig sind (jetzt suchen), Rollen, die von einem Ja abhängen (Pipeline aufbauen, noch nicht anstellen), und Schlüsselpersonen, die ein Nein absichern (halten, Nachfolge regeln). Der Artikel enthält keine Abstimmungsempfehlung.

Worüber wird am 29. November abgestimmt?
Am 29. November 2026 stimmt die Schweiz über die Änderung des Kriegsmaterialgesetzes vom 19. Dezember 2025 ab; sie betrifft die Ausfuhr von Kriegsmaterial, nicht die Beschaffung der Armee. Bei einem Ja würden sich laut SECO drei Punkte ändern: Lieferungen an Partnerstaaten sind auch bei bewaffnetem Konflikt möglich, sofern das mit der Neutralität und den Interessen der Schweiz vereinbar ist; der Bundesrat kann bei ausserordentlichen Umständen von den Bewilligungskriterien abweichen; Käuferstaaten müssen die Nichtwiederausfuhr nicht mehr in jedem Fall zusichern. Alle Exporte bleiben bewilligungspflichtig. Bei einem Nein bleibt das geltende Gesetz in Kraft.
Bundesrat und Parlament empfehlen ein Ja, weil die Änderung nach ihrer Darstellung Lieferungen an Partnerstaaten sichere; das Referendumskomitee lehnt sie ab, weil nach seiner Darstellung Exporte an «Unrechtsregime» möglich würden (Bundesrat, 29. September 2026). Zwei Details zählen für die Planung: Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten, einen Termin nennt der Gesetzestext nicht; und Abweichungen per Verordnung gelten höchstens vier Jahre und lassen sich einmal verlängern (Bundesblatt 2026 22).
Wie belastbar sind die Zahlen zu Ja und Nein?
Nur begrenzt: Eine öffentlich zugängliche Datenbasis ist die Deloitte-Umfrage vom 8. Oktober 2026, und sie zeigt Erwartungen, keine Stellenpläne. Befragt wurden vom 16. Juli bis 23. August 2026 mit Hilfe von Swissmem 66 Firmen, nach Deloitte rund ein Drittel der relevanten Produktionsbetriebe; der Swissmem-Vorstand hat am 8. September 2026 die Ja-Parole gefasst. Absolute Stellenzahlen nennt die Umfrage nicht.
Laut Deloitte (Oktober 2026) rechnen bei einem Ja 87 % der Befragten mit höherem Unternehmenserfolg durch bessere Exportmöglichkeiten, und exportorientierte Firmen und Kriegsmaterialhersteller erwarten positive Umsatzeffekte in den nächsten 3 bis 5 Jahren; bei einem Nein erwarten 64 % eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, bei den Kriegsmaterialherstellern 84 % eine Verlagerung von Teilen der Wertschöpfung. Dagegen hält die GSoA, die das Referendum ergriffen hat, dem Swissmem-Argument eines Stellenabbaus entgegen: Ein Nein bewahre nur den Status quo, deshalb sollte es eigentlich keinen Grund für Entlassungen geben (GSoA, 20. Oktober 2026). Einzelne Befragte erwarten auch bei einem Ja keine rasche Rückkehr der Investitionen, die bereits ins Ausland geflossen seien.
Wie planen Sie Personal, wenn der Ausgang offen ist?
Planen Sie in drei Gruppen nach der Abhängigkeit vom Ausgang; das ist unsere Einschätzung, keine Messung.
- Gruppe A, in beiden Ausgängen nötig: Qualität und Zulassung für laufende Programme sowie Exportkontrolle, denn alle Ausfuhren bleiben bewilligungspflichtig. Die Armeebotschaft 2026 über CHF 3,4 Mrd. hat das Parlament am 15. September 2026 verabschiedet; die Abstimmung betrifft Ausfuhrregeln, nicht diese Kredite. Diese Stellen suchen Sie jetzt.
- Gruppe B, hängt von einem Ja ab: Systemingenieure und Programmleitung für zusätzliche Exportprogramme. Bauen Sie eine Pipeline auf, unterschreiben Sie erst bei Auftragseingang.
- Gruppe C, sichert ein Nein ab: Schlüsselpersonen mit Programmwissen, Nachfolge, Dokumentation und ziviler Zulassungserfahrung. Den grössten Diversifizierungsdruck bei einem Nein erwarten die Befragten bei Herstellern besonderer militärischer Güter und von Dual-Use-Gütern.
Welche Rolle in welche Gruppe fällt, entscheidet Ihr Auftragsbuch, nicht die Branche.
Was bedeutet Ja oder Nein für Systemingenieure, Qualität und Exportkontrolle?
Nach unserer Einschätzung, nicht gemessen, verschiebt ein Ja den Bedarf eher zu Systemingenieuren und Programmen mit Exportbezug, ein Nein eher zu Schlüsselpersonen und zivilen Anwendungen; bei der Exportkontrolle bleibt der Bedarf in beiden Fällen, nur der Inhalt ändert sich. Der Vorlauf ist überall gleich: 3 Monate Suche plus 3 Monate Kündigungsfrist (Beispielwerte, nicht gemessen); Ausnahmen stehen in der Spalte «Folge für die Planung».
| Ausgang | Rolle | Erwartung laut Quellen | Folge für die Planung (Einschätzung) |
|---|---|---|---|
| Ja | Systemingenieur | Deloitte 10/2026: 87 % erwarten höheren Unternehmenserfolg, Umsatzeffekte in 3 bis 5 Jahren | Zusätzliche Exportprogramme, die gestaffelt anlaufen |
| Ja | Qualität und Zulassung | Deloitte 10/2026: 77 % erwarten bessere Teilnahmefähigkeit an internationalen Kooperationsprogrammen | Mehr Nachweisarbeit ab Programmstart |
| Ja | Exportkontrolle | Bundesrat 09/2026: Exporte in Staaten im bewaffneten Konflikt bleiben verboten, ausser für 36 Partnerstaaten; Gesuche für diese sollen in der Regel bewilligt werden, wenn der Export nicht im Widerspruch zu neutralitätsrechtlichen Verpflichtungen oder aussen- oder sicherheitspolitischen Interessen der Schweiz steht; bestehende Nichtwiederausfuhr-Erklärungen bleiben | Bedarf bleibt; der Inhalt verschiebt sich eher zur Dokumentation der Lieferkette (Einschätzung); die Änderung frühestens ab Inkrafttreten (Termin offen) |
| Nein | Systemingenieur | Deloitte 10/2026: 64 % erwarten Verlagerung von Arbeitsplätzen, 84 % der Kriegsmaterialhersteller von Teilen der Wertschöpfung; Gegenposition (GSoA): Status quo, eigentlich kein Grund für Entlassungen | Schlüsselpersonen binden, Wissen dokumentieren, Nachfolge regeln; Halten ohne Vorlauf, Ersatz 6 Monate |
| Nein | Qualität und Zulassung | Deloitte 10/2026: Diversifizierung in Dual-Use und zivile Anwendungen erwartet | Zulassungserfahrung aus zivilen Anwendungen gewinnt an Gewicht |
| Nein | Exportkontrolle | Geltendes Gesetz bleibt in Kraft (Stand 10/2026) | Bedarf unverändert, Besetzung nur bei Abgang oder Ausbau |
Wann muss die Suche beginnen, damit die Person zum Bedarfsdatum da ist?
Bei 12 Wochen Suche und 3 Monaten Kündigungsfrist beginnt die Suche rund sechs Monate vor dem ersten Arbeitstag; wer erst am Montag nach der Abstimmung, dem 30. November 2026, startet, hat die Person im Beispiel frühestens am 1. Juni 2027. Angenommen: Die Kündigung geht am Tag der Unterschrift ein, die Frist endet auf ein Monatsende; nach Art. 335c OR sind es drei Monate ab dem zehnten Dienstjahr, vertraglich abänderbar (SECO, abgerufen 10/2026). Alle Werte sind Beispielwerte, nicht gemessen; die 12 Wochen stehen für ein enges Profil, ersetzen Sie sie durch Ihren eigenen Wert.
| Erster Arbeitstag (Bedarf) | Vertrag spätestens | Suchstart spätestens |
|---|---|---|
| 1. Juli 2027 | 31. März 2027 | 6. Januar 2027 |
| 1. Oktober 2027 | 30. Juni 2027 | 7. April 2027 |
Für Gruppe A mit Bedarf vor dem 1. Juni 2027 liegt der Suchstart damit vor dem Ausgang, für Gruppe B mit Bedarf ab Juli 2027 danach. Weiterführend: Kündigungsfrist und Konkurrenzverbot und Aerospace und Defence: Markt und gefragte Profile.
Welche Personalberatung unterstützt Defence-Firmen in der Ostschweiz bei der Besetzung?
CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering in Vaduz und im Raum Zürich und besetzt Ingenieur- und Fachstellen im High-Performance Engineering, darunter Aerospace und Defence, in der Ostschweiz, in Liechtenstein und im DACH-Raum per Direct Search. Bei CONCAPE liegt die Time to Hire im Durchschnitt bei 30 Tagen, gemessen vom Suchstart bis zur Vertragsunterschrift (Stand 10/2026); bei engen Profilen dauert es nach unserer Einschätzung länger, und die Kündigungsfrist der neuen Person kommt dazu. Der Talent-Check zeigt vorab die Bandbreite passender Profile, die Modelle stehen offen unter Preise. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung: Verbindlich Auskunft zu Ausfuhrbewilligungen gibt das SECO, zu Arbeitsverträgen und Kündigungsfristen eine Arbeitsrechtsberatung.
Quellen: SECO (Abstimmung KMG; FAQ Kündigung, Art. 335c OR; abgerufen 10/2026); Bundesrat (29. September 2026); Bundesblatt 2026 22; Deloitte, Rüstungsindustrie unter Druck (8. Oktober 2026); Swissmem (8. September 2026); GSoA (20. Oktober 2026); VBS (15. September 2026); Rechenbeispiele eigene Berechnung. Stand: Oktober 2026.
Häufige Fragen
Ab welchem Bedarfsdatum darf die Suche auf das Ergebnis vom 29. November warten?
Bei den Beispielwerten ab einem Bedarf am 1. Juni 2027: Wer am Montag nach der Abstimmung startet, hat die Person im Beispiel frühestens an diesem Tag. Für einen Bedarf am 1. Juli 2027 muss die Suche spätestens am 6. Januar 2027 beginnen. Für Rollen, die an einem Ja hängen, bleibt die Pipeline: Gespräche führen, Verträge erst bei Auftragseingang unterschreiben.
Wie verändert ein Ja den Bedarf an Exportkontrolle?
Er bleibt, und nach unserer Einschätzung ändert sich nur der Inhalt: Alle Ausfuhren bleiben bewilligungspflichtig, und bestehende Nichtwiederausfuhr-Erklärungen bleiben unverändert (SECO, Oktober 2026; Bundesrat, 29. September 2026). Bei Einzelteilen und Baugruppen wird grundsätzlich auf die Erklärung verzichtet, wenn feststeht, dass es sich um eine Zulieferung im Rahmen einer internationalen Wertschöpfungskette handelt (Bundesblatt 2026 22). Wer das nachweisen muss, braucht Dokumentation; das ist unsere Einschätzung.
Wie sichern Sie Know-how ab, unabhängig vom Ausgang?
Mit Massnahmen, die nicht vom Ausgang abhängen: Wissen dokumentieren, Nachfolge für Schlüsselpersonen benennen, Zulassungserfahrung aus zivilen Anwendungen aufbauen. Ob ein Nein Verlagerungen auslöst, ist offen: Die Kriegsmaterialhersteller der Deloitte-Umfrage (Oktober 2026) sehen eine sofortige Abkehr vom Rüstungsgeschäft nicht als zwingend und erwarten eher einzelne Investitionen, Entwicklungsaktivitäten oder Schlüsselfunktionen an Standorten mit verlässlicheren Exportbedingungen; nach der GSoA, die das Referendum ergriffen hat, sollte es bei einem Nein eigentlich keinen Grund für Entlassungen geben (GSoA, 20. Oktober 2026).
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