CONCAPE Redaktion

Halbleiterindustrie im Rheintal: Der Hightech-Cluster zwischen Bad Ragaz und Heerbrugg

Im St. Galler Rheintal und in Liechtenstein ist über Jahrzehnte ein Cluster aus Vakuum-, Beschichtungs- sowie Mess- und Sensortechnik entstanden, der für die weltweite Chipproduktion wichtig ist – von international tätigen Unternehmen wie Evatec, Inficon oder Oerlikon Balzers bis zu spezialisierten KMU. Gesucht werden erfahrungsgemäss vor allem Ingenieurinnen und Ingenieure aus Vakuum-, Prozess- und Elektrotechnik sowie Fachleute für Einkauf und Supply Chain.

Ingenieur prüft Elektronik unter dem Mikroskop

Warum ausgerechnet das Rheintal?

Weil hier über Jahrzehnte ein Netzwerk aus Unternehmen, Zulieferern, Ausbildungsstätten und Fachkräften gewachsen ist, die sich gegenseitig geprägt haben und voneinander lernen (Rheintal24, Juli 2026). Das Rheintal bringt dadurch überdurchschnittlich viele Weltmarktführer hervor. Eine zentrale Rolle spielt die Vakuum- und Beschichtungstechnik, die ihren Ursprung in Balzers (FL) hat. Der Hightech-Raum reicht entlang des Rheins von Bad Ragaz im Süden bis nach Heerbrugg im Norden; rund um Heerbrugg entstand früh ein Umfeld aus Optik-, Mikrotechnik-, Präzisions- und Technologieunternehmen (Rheintal24, Juli 2026).

Welche Schwerpunkte hat der Cluster?

Vier: Vakuumtechnik, Dünnschicht- und Beschichtungsanlagen, Mess- und Sensortechnik sowie Oberflächentechnologie.

  • Vakuumtechnik: Ventile, Kammern und Komponenten, die in vielen Anlagen zur Chipfertigung verbaut sind.
  • Dünnschicht- und Beschichtungsanlagen: Maschinen für Advanced Packaging, Leistungshalbleiter und MEMS.
  • Mess- und Sensortechnik: Instrumente für Prozesskontrolle und Lecksuche in Vakuum- und Halbleiterprozessen.
  • Oberflächentechnologie: Beschichtungen für Werkzeuge und Präzisionsbauteile.

Zu den bekannten Namen der Region gehören:

UnternehmenStandortSchwerpunkt
EvatecTrübbachDünnschicht- und Beschichtungsanlagen
InficonBad RagazMess- und Sensortechnik
Oerlikon BalzersBalzers (FL)Oberflächenbeschichtung

Dazu kommen zahlreiche Zulieferer, Maschinenbauer und Präzisionsfertiger – viele davon KMU, die als Arbeitgeber weniger bekannt sind, aber dieselben Spezialisten suchen.

Welche Profile werden im Rheintal gesucht?

Gesucht werden im Cluster erfahrungsgemäss vor allem Vakuum- und Prozessingenieure, Elektro- und Automatisierungsingenieure, Service- und Applikationsingenieure, Fachleute für Einkauf und Supply Chain sowie für Qualität und Reinraum.

  • Vakuum- und Prozessingenieure – Entwicklung und Optimierung von Beschichtungs- und Fertigungsprozessen
  • Elektro- und Automatisierungsingenieure – Steuerungen, Leistungselektronik, Anlagenintegration
  • Service- und Applikationsingenieure – Inbetriebnahme bei Kunden weltweit
  • Einkauf und Supply Chain – strategischer Einkauf, Lieferantenmanagement, Materialplanung in einer zyklischen Branche
  • Qualität und Reinraum – Qualitätssicherung nach Halbleiter-Standards

Besonders anspruchsvoll sind Rollen, die tiefes Fachwissen mit Kundenkontakt verbinden – etwa Applikationsingenieure: Erfahrungsgemäss ist der Pool an Fachleuten mit Vakuum- oder Dünnschicht-Erfahrung klein, und die meisten arbeiten bereits bei einem Unternehmen in der Region.

Warum ist der Zyklus für Zulieferer im Rheintal entscheidend?

Weil auf starke Boomphasen regelmässig Abschwünge folgen und die Zulieferer im Rheintal beides direkt spüren: Im Aufschwung müssen sehr schnell viele Spezialisten gefunden werden – genau dann, wenn alle gleichzeitig suchen.

Die Empfehlung lautet deshalb: Schlüsselprofile nicht erst im Aufschwung suchen. Wer auch in ruhigeren Phasen Kontakte zu passenden Kandidatinnen und Kandidaten pflegt, kann im nächsten Boom schneller besetzen als der Wettbewerb. Wie der aktuelle Zyklus aussieht, zeigt Halbleiter-Boom 2026: Welche Profile Equipment-Hersteller im Rheintal jetzt brauchen.

Wie arbeiten Fachleute zwischen der Schweiz, Liechtenstein und Österreich?

In Liechtenstein waren 2024 rund 57 % aller Beschäftigten Zupendler:innen; 61 % von ihnen kamen aus der Schweiz, 35 % aus Österreich (Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Wirtschafts- und Finanzdaten, Ausgabe 2026). Für EU/EFTA-Staatsangehörige, die über die Grenze pendeln, ist die Zulassung für die Firmen der Region Routine (Schweiz: Grenzgängerbewilligung mit Rechtsanspruch, Liechtenstein: Meldung durch den Arbeitgeber). Die eigentlichen Hürden liegen woanders: Kündigungsfristen in Deutschland, die Homeoffice-Grenze für Grenzgänger (Sozialversicherung grundsätzlich ab 25 % Arbeit im Wohnsitzland, mit dem Rahmenübereinkommen seit Juli 2023 auf Antrag bis knapp 50 %; BSV, September 2025) und der Vergleich von Nettolöhnen über mehrere Steuersysteme. Wer das vor dem Angebot klärt, erweitert den Kandidatenmarkt bis nach Vorarlberg und Süddeutschland – ohne Überraschungen nach der Zusage (Grenzgänger einstellen 2026).

Wie erreichen Sie Fachleute, die nicht aktiv suchen?

Vor allem über Active Sourcing: gezielte, persönliche Direktansprache – über Landesgrenzen hinweg. Die gesuchten Spezialisten sind erfahrungsgemäss selten auf Jobbörsen aktiv; sie sind meist fest angestellt, oft bei direkten Wettbewerbern. Wie die Direktansprache bei Ingenieuren funktioniert, beschreibt Active Sourcing für Ingenieure.

CONCAPE ist eine Personalberatung für High-Tech & Engineering mit Sitz in Vaduz und Präsenz im Raum Zürich und besetzt Positionen in Semiconductor & Advanced Electronics, mit Schwerpunkt Ostschweiz, Liechtenstein und St. Galler Rheintal; aktuelle Stellen stehen unter Jobs.

Quellen: Rheintal24, «Darum bringt das Rheintal so viele Weltmarktführer hervor» (Juli 2026); Historisches Lexikon des Fürstentums Liechtenstein, «OC Oerlikon Balzers AG»; Bundesamt für Sozialversicherungen BSV, Telearbeit (September 2025); Regierung des Fürstentums Liechtenstein, Wirtschafts- und Finanzdaten zu Liechtenstein (Ausgabe 2026, Datenstand Juni 2026); Staatssekretariat für Migration SEM, FAQ Personenfreizügigkeit (Stand Juli 2026); Firmenangaben von Evatec, Inficon und Oerlikon Balzers.

Häufige Fragen

Wie erreichen wir Prozessingenieure mit Vakuum- oder Dünnschicht-Erfahrung, die nicht aktiv suchen?

Über gezielte Direktansprache mit einem konkreten technischen Grund zum Wechsel: einer Aufgabe, einer Anlage oder einem Prozess, den die Person heute nicht hat. Erfahrungsgemäss sind diese Fachleute selten auf Jobbörsen aktiv; viele arbeiten bei direkten Wettbewerbern, zum Teil jenseits der Grenze. Wie das funktioniert, beschreibt Active Sourcing für Ingenieure.

Wann lohnt es sich, Schlüsselprofile schon im Abschwung zu besetzen?

Bei Rollen, die im nächsten Aufschwung sofort gebraucht werden: Wer erst sucht, wenn alle gleichzeitig suchen, konkurriert um dieselben Fachleute. Nach unserer Erfahrung lassen sich Schlüsselprofile in ruhigeren Phasen leichter ansprechen; wie der aktuelle Zyklus aussieht, zeigt Halbleiter-Boom 2026.

Wie viel Homeoffice ist als Grenzgänger möglich?

Ohne Wechsel der Sozialversicherung unter 25 % der Arbeitszeit im Wohnsitzland. Mit dem Rahmenübereinkommen über Telearbeit (seit Juli 2023, in der Schweiz Antrag durch den Arbeitgeber) sind bis knapp 50 % möglich. Steuerlich gelten je nach Land eigene Regeln – sie gehören vor das Angebot geklärt.

Sie suchen Spezialisten für High-Tech, Engineering oder Einkauf & Supply Chain? CONCAPE ist im Rheintal zu Hause und spricht passive Kandidaten in der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Deutschland direkt an.

Kontakt aufnehmen